Erfolgreich bewerben: Was können Studis vom ersten Job erwarten?

DigiJobs ist eine neue Kategorie auf Digitalisierung jetzt! Hier stellen wir regelmäßig interessante Jobs aus der Digitalbranche vor – inklusive direkten Kontakten für die Bewerbung. Außerdem teilen „alte Hasen“ ihre Erfahrungen in Sachen Karriere-Strategie.

Autorin dieses Beitrags: Carolin Desirée Töpfer, Gründerin & CEO/ CTO Cyttraction

Ein Anfang ist ein Anfang – mehr nicht

Ich habe manchmal das Gefühl, die Studierenden von heute machen sich viel mehr Stress bei der Karriere-Planung als sie müssten. Auf der einen Seite ist das nachvollziehbar. Studieren ist ein kostspieliges Vergnügen und das muss sich lohnen. Viele Bachelor- und Master-Studiengänge sind zudem zu unflexibel strukturiert, um nebenbei Geld zu verdienen und relevante Erfahrungen zu sammeln.

Die Hoffnung liegt also oft schon auf dem ersten Job nach der Uni. Der soll dann aber auch perfekt sein. Attraktives Aufgabenfeld, gut bezahlt, Work-Life-Balance, etc.

Aber, liebe Studis. Jetzt lasst uns mal auf die Arbeitgeber-Brille wechseln:

Wenn ihr aus der Uni kommt, sind viele von euch zwar akademisch top ausgebildet. Im besten Fall hattet ihr ein fachlich passendes Pflichtpraktikum während des Studiums. Aber mit den Anforderungen – und sozialen Herausforderungen – des Berufslebens hattet ihr noch wenig zu tun. Hinzu kommt, dass die meisten von euch das Internet zwar nutzen können, um etwas zu posten oder einzukaufen. Aber selbst wenn ihr diese Fähigkeiten im ersten festen Job einsetzen könnt, müsst ihr auch zusätzlich noch den sicheren Umgang mit der individuellen IT Infrastruktur im Unternehmen lernen.

Sofern ihr nicht die Möglichkeit hattet, während des Studiums entsprechende Werkstudenten-Jobs zu machen, braucht ihr also erst mal einen Arbeitgeber, der euch das alles beibringt. Das ist ein entscheidener Grundstein für eure Karriere – gerade in einer immer digitaler werdenden Welt.

Mein Tipp: Leg nicht zu viel Hoffnung auf deinen ersten Job. Schau lieber, dass du dort in einem sicheren – vielleicht ein bisschen langweiligen – Umfeld wichtige Dinge lernen kannst, die in Schule und Uni nicht vorkamen. Über die Zeit wirst du dann merken, ob du dort bleiben möchtest, oder woanders besser Karriere machen kannst.

Work-Life-Balance & Home Office

„Die Frage nach der Work-Life-Balance im Bewerbungsgespräch ist das KO-Kriterium für jede Einstellung.“, erzählt mir ein mittelständischer Unternehmer. Und mit dieser Meinung ist er nicht alleine. Solche und andere „Keywords“ im Gespräch mit Berufseinsteigern können auch faire Arbeitgeber schnell auf die Palme bringen. Gleichzeitig gibt es Unternehmen, die mit tollen Bedingungen Werbung machen – aber diese nach Vertragsabschluss nicht einhalten.

Das gleiche gilt in Deutschland für Home Office:

Zwar ist das Wort in aller Munde, in der Realität haben laut einer Bitkom-Studie auch während der Corona-Krise aber nur ein Viertel der Beschäftigten dauerhaft im Home Office bzw. von Zuhause gearbeitet. Hinzu kamen hybride Modelle, bei denen MItarbeiter/innen tageweise ins Büro pendeln und an anderen Tagen von Zuhause arbeiten.

In vielen Unternehmen erhalten nur bestimmte Mitarbeiter-Gruppen eine Home Office Erlaubnis. In anderen Berufen funktioniert es gar nicht, weil immer jemand vor Ort sein muss. Auch die Nachfrage kann also nach hinten losgehen und sollte nicht der entscheidende Punkt für den ersten Job sein.

Die meisten Unternehmen kalkulieren außerdem damit, dass sie eine/n neue/n Mitarbeiter/in bis zu 2 Jahre einarbeiten müssen und erst dann ein Mehrwert für den Arbeitgeber entsteht. Wer gleich den Eindruck macht, dass diese Rechnung nicht aufgehen wird, läuft Gefahr unheimlich viele Bewerbungen zu schreiben.

Trotzdem können sich auch Bewerber/innen auf Einstiegsstellen über die Arbeitszeiten und Gepflogenheiten im Unternehmen informieren. Vielleicht nicht gleich Geschäftsführer/in oder Teamleiter/in im Bewerbungs-Gespräch fragen, sondern den Kontakt zur Personal-Abteilung oder potentiellen Kolleg/innen suchen. Auch lohnt es sich, solche Anfragen vorzubereiten und auf vorsichtige Formulierungen zu achten.

Im Job angekommen, wird es immer wieder Tage oder Wochen geben, wo das mit dem geregelten 8-Stunden-Tag nicht klappt, oder Aufgaben mit ins Wochenende gehen. Hier ist es oft eine Typfrage, wie Mitarbeiter/innen damit umgehen:

  • Eine/r möchte eine strikte Einhaltung der Arbeitszeiten und verzichtet dafür auf zusätzliche Projekte und Führungsverantwortung.
  • Ein/e andere/r arbeitet gerne mal mehr, möchte die Stunden aber später abbummeln können.
  • Wieder ein/e andere/r ist vor allem monetär getrieben und freut sich über einen finanziellen Ausgleich der Überstunden.

Mein Tipp: Denke vorab einmal drüber nach, welcher Typ du bist und arbeite dann eine Strategie aus, um mit deinem zukünftigen Arbeitgeber eine akzeptable Lösung für beide Seiten zu finden.

Bezahlung

Laut Stepstone Gehaltsreport liegt das Einstiegsgehalt für Absolvent/innen bei 45.395 Euro brutto pro Jahr. Das sind etwa 3.783 Euro brutto, bei Steuerklasse I z.B. in NRW 2.378 Euro netto pro Monat (laut TK Gehaltsrechner). Der genauere Blick auf die Zahlen verrät allerdings eine weite Spanne zwischen verschiedenen Studiengängen und Branchen:

Finanzfluss hat im März 2022 die besten Einstiegsgehälter für Bachelor-Absolvent/innen zusammen getragen. Wenig erstaunlich, finden sich dort Wirtschaftsingenieurwesen, Ingenieurwissenschaften und IT (Informatik) auf den ersten drei Plätzen. In diesem Bereichen werden top Gehälter gezahlt – und dadurch steigt natürlich der statistische Mittelwert für alle.

Auch hier braucht es ein wenig Recherche, damit du dich nicht unter Wert verkaufst, die/ der Gesprächspartner/in aber auch nicht gleich rückwärts vom Stuhl fällt. Achte darauf, dass ihr auf beiden Seiten über ein geregeltes, versteuertes und sozialversicherungspflichtiges Einkommen sprecht. Kein Mini-Gehalt plus Bonus, unbezahltes Multi Level Marketing mit dem du angeblich blitzschnell zum Millionär werden kannst oder sonstige ominöse Vereinbarungen. Es gibt auch Arbeitgeber, die dann noch mal versuchen bei brutto und netto zu tricksen. Alles schon erlebt.

Mein Tipp: Bereite deine Zahlen vor und benutze das kleine Wörtchen „perspektivisch“. Es klingt ganz anders, ob ein/e Bewerber/in im Interview knallhart eine Zahl in den Raum wirft, oder sagt „ich sehe mich perspektivisch bei 48.000 Euro brutto im Jahr und bin bereit dafür zu arbeiten.“

Wohnen

In Deutschland beißt sich die Wohnraum-Katze in den Schwanz. Wer eine neue – vielleicht die erste eigene – Wohnung mieten will, muss mindestens 3 Monate Gehalt nachweisen. Ich erinner mich noch an überteuerte Zimmer in Chaos-WGs, die ich für Praktika in anderen Städten untermieten musste. Seitdem ist der Wohnungsmarkt nicht entspannter geworden.

Hier hilft ein bisschen Realismus: selbst bei einem tollen Job mit wahnsinnigem Einstiegs-Gehalt, wäre es schon ein Wunder, gleichzeitig auch noch die perfekte Wohnung zum perfekten Preis zu finden.

Gerade beim Umzug in eine neue Gegend macht es außerdem Sinn, sich das Ganze erst mal anzuschauen und heraus zu finden, wo die besten Cafés, die schönsten Parks und die saubersten Sportanlagen zu finden sind.

Das Ziel ist also eine annehmbare Übergangslösung.

Mein Tipp: Frag deinen zukünftigen Arbeitgeber um Hilfe. Umzugskosten können Firmen steuerlich geltend machen, viele mieten neuen Mitarbeiter/innen auch ein Zimmer für den Anfang. Bei kleineren Betrieben hat der Chef oder eine Kolleg/in vllt. ein Gästezimmer frei. Das macht den Anfang leichter und spart unnötigen Stress und Kosten.

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