NFTs… eine differenzierte Betrachtung

Aktuell sorgt Kanye West mit einem handschriftlichen – über Twitter verbreiteten – Statement für Aufsehen: er werde (zumindest aktuell) keine NFTs anbieten. Mehr dazu in diesem Artikel.

NFT bedeutet non-fungible Token; also etwas Nicht-Ersetzbares.

Was allerdings nicht so ganz stimmt. Tatsächlich bestehen viele NFTs aktuell nur aus kleinen Bildchen, die sehr einfach zu kopieren sind und der nicht-ersetzbare Teil bzw. der Nachweis für den Besitzer des Originals besteht aus einem Zertifikat, das nach dem Kauf auf einer Blockchain hinterlegt wird. NFT-Sammler bezahlen mit Crypto-Währungen und bewahren ihre „Originale“ in dafür bestimmten Accounts auf. Völlig unabhängig davon, werden einige gerne als Profilbilder in den sozialen Medien genutzt.

Gleichzeitig haben diese kleinen Bildchen mit technischem Zusatz 2021 einen regelrechten Hype erlebt. Das teuerste namens „The Merge“ wurde für 91.8 Mio. USD verkauft. Allerdings nicht an einen Sammler, sondern an insgesamt 28.983. Ein nettes Sümmchen für ein Bild, das an die Darstellung eines zu rund geratenen Hühnereis auf schwarzen Hintergrund erinnert.

Ich habe mal versucht, das für das Beitragsbild nachzubauen. Wer dieses einzigartige Foto als NFT haben möchte – Gebote gerne per E-Mail. 😀

Immerhin hat das Ei den bisher populärsten Vertreter der Szene, den US-amerikanischen Digitalkünstler Beeple, vom Thron gestoßen. Dessen Werk „Everydays – The First 5000 Days“ brachte ihm 69.3 Mio. USD ein. Das sieht zumindest ein bisschen imposanter und durchdachter aus als das Ei…

Und Beeple muss auch nicht traurig sein, dass es ihm Platz 1 abgeluchst hat. Mit seinem zweiten Launch namens „Human One“ hat er noch einmal 28.9 Mio. USD kassiert. Dieses Werk ist allerdings kein eigenständiges NFT, sondern ein physisches Kunstwerk mit digitalen Komponenten, zu dem ein entsprechendes Zertifikat gehört. Der Künstler kann den digitalen Teil außerdem auch nach dem Verkauf jederzeit verändern.

Hier die Top10 der teuersten NFTs bestaunen.

Außerdem bieten NFTs die Möglichkeit, an jedem Weiterverkauf ebenfalls zu partizipieren.

Das macht das Format nicht nur für Künstler interessant, die es bereits zu einer großen Reichweite und Fangemeinde gebracht haben. Auch weniger bekannte Kunstschaffende, Grafikdesigner, Crypto-Fans und Glücksritter eifern den großen Namen der Szene nach.

Nicht immer mit ganz sauberen Methoden.

Mittlerweile vergeht kein Tag, an dem ich nicht über irgendein Social Media Kanal NFTs aller Art angeboten bekomme. Manche stehen für sich alleine und sind mehr oder weniger aufwändig gestaltet. Bei anderen liegt der Fokus auf damit verbundenen exklusiven Vorteilen, physischen Geschenken oder Eintrittskarten zu virtuellen Clubs oder Casinos.

Ich wundere mich aktuell, dass Fitness-Studios noch nichts in der Art anbietet. Denn die meisten (teuer erkauften) VIP-Vorteile werden wahrscheinlich ungefähr so intensiv genutzt werden, wie eine 12-Monats-Luxus-Mitgliedschaft in der Muckibude, die der ein oder andere in der ersten Januar-Woche des neuen Jahres abgeschlossen hat.

Meine aktuellen Erkenntnisse zu NFTs:

  • Nach eingehender Betrachtung der Szene über die letzten Monate beschleicht mich der Verdacht, dass vielen Menschen mit viel Geld gerade sehr langweilig ist und aufgrund der Bewegungen in verschiedenen anderen Märkten komische Eier und sonstige digitale Kunstwerke vor allem deshalb interessant werden. Ob es dieses Jahr so weitergeht, bleibt abzuwarten. Nicht nur, weil Kanye nicht mitmacht, sondern auch weil sämtliche Crypto-Währungen rund um den Jahreswechsel vorerst abgestürzt sind und sich nur langsam wieder erholen. Auch ist die Zahl der wirklich lohnenden NFTs im Vergleich zum wilden Angebot gering.

  • NFT-Fans mögen mir da widersprechen, aber sowohl Crypto-Währungen als auch NFTs fallen für mich im weitesten Sinne unter Glücksspiel. Man kann bei beidem zu den glücklichen Gewinnern gehören – vor allem, wenn man viel Zeit in Recherche investiert und Down-Phasen ohne größere Verluste übersteht. Allerdings gibt es wohl jetzt schon mehr Verlierer und Betrogene, die ihre Geschichten aus Scham nicht in den sozialen Medien teilen.

  • Im Casino gewinnt immer die Bank, im Crypto- und NFT-Game vor allem die Plattformen. Egal, was tatsächlich hinter einem Trade steckt, die Gebühren werden auf jeden Fall fällig. Die Künstler als die eigentlichen Wertschaffenden, brauchen vor allem eins für einen erfolgreichen launch – Reichweite (hier ein interessanter Selbstversuch von YouTuber Tomary dazu).

Wer mag, kann ja mal auf OpenSea, Binance oder Rarible vorbeischnüffeln. Spannend ist auch der „How I built this“ podcast mit Coinbase CEO Brian Armstrong und die Dead Cat-Folge mit Evernote-Gründer Phil Libin.

Und hier geht es zum aktuellen Update zu meinem Crypto & NFT Portfolio, das ich für den Mahina Diverse Tech Accelerator aufbaue. Aktuell warte ich auf Rückmeldung von Shopify zum neuen NFT-Shop Modell, denn mich interessiert logischerweise vor allem der technische Hintergrund – bei Coins und Plattformen.

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