Münchner Sicherheitskonferenz digital: Wer repräsentiert eigentlich Zukunft & Internet?

Die Münchner Sicherheitskonferenz. Wo Männer in schwarzen Anzügen über Atomwaffen reden, als hätte jeder eine im Vorgarten stehen. Geht es allerdings um Sicherheit im Internet, fehlen vielen die Worte. Ich war als durch die Sicherheits-Zone rasende Tech Bloggerin vor Ort – auf der Suche nach den Diskussionen zur IT Sicherheit. Aber nebenbei sind mir noch ein paar andere Dinge aufgefallen. Ein Erlebnis-Bericht eines Digital Native mit Meinungsanteil:

Eigentlich hätte in der ersten Reihe im Konferenzsaal (für Medienleute kein Zutritt) ein roter Stuhl stehen und frei bleiben müssen. In Anerkennung der Menschen und Themen, die auf der 56. Münchner Sicherheitskonferenz nicht dabei sein konnten. Alleine aus meiner Lebensrealität waren das viele. Die Menschen, mit denen ich täglich zu tun habe, waren in ihrer Art und Weise alle abwesend – vor allem die Techies.

Emmanuel Macron hat dafür im Bühnen-Gespräch mit Konferenz-Botschafter Wolfgang Ischinger Hackerangriffe so extrem diplomatisch umschrieben, dass mir erst auf den zweiten Hinhörer aufgefallen ist, worum es geht. Ja, da ging es um meinen Arbeitsbereich… oder doch nur um ominöse „Behörden“ die komische Dinge mit dem Internet anstellen!? Und warum weiß Frankreich, von welchen Staaten genau sie angegriffen werden, wenn doch sonst alle von cleveren technischen Verschleierungstaktiken ausgehen und sich nicht festlegen möchten?

Irgendwie hätte das Thema enorm viel Potential gehabt. Zumal die Veranstalter der Konferenz bereits vorab im November 2019 ein Pre-Event in Berlin zum Thema Sicherheit im Internet ausgerichtet hatten. Doch anscheinend sind die Brücken noch dünn und die verschiedenen Fachbereiche schwammig. Während ich Statements und Ideen zum Umgang mit Technologien erwartet habe, machen sich viele Teilnehmer vor allem Sorgen um manipulierte Wahlen und den Umgang mit (Patienten-)Daten. Die Datenschutz-Grundverordnung ist immer noch ein Dauerbrenner – allerdings eher aus der politisch-juristischen Sichtweise. Wahrscheinlich braucht das Internet einfach seine eigene globale Sicherheitskonferenz.

Beim Panel zu künstlicher Intelligenz musste ich mir dann auch wirklich gut überlegen, eine Frage aus der Business Perspektive zu stellen. Ich hab es natürlich trotzdem getan. Leider ist die Aufzeichnung der Session (noch) nicht online. Sowieso haben die Sozialen Medien – und damit die direkte Beteiligung der Welt außerhalb der Sicherheitszone – nicht so einen richtig großen Stellenwert bei der Konferenz. Klar, es wird bezahlte Werbung geschaltet und Ausschnitte der Reden gibt es relativ zeitnah online. Aber eine richtige Community-Pflege sieht anders aus.

Panel des CFFP (Centre for a Feminist Foreign Policy) im BMW-Pavillon

Lustigerweise habe ich gerade über meine Instagram-Story zur Konferenz von vielen tollen Teilnehmer/innen und Neben-Veranstaltungen erfahren. So auch von dem Event des Center for Feminist Foreign Policy, das im Rahmen einer spanneden Panel-Diskussion das Experten Netzwerk WoX vorgestellt hat (alle Frauen mich Sicherheits-Expertise: bitte gleich eintragen!)

Frauen saßen im Hauptsaal zwar im Publikum. Die Zahl der Amtsträgerinnen, die tatsächlich auch auf der Bühne etwas sagen durften, entspricht aber bei weitem nicht unserem Anteil an der Gesamtbevölkerung auf dem Planeten. Die Townhall Diskussion zu Women in Security ließ erkennen, dass zumindest die Veranstalter die Zeichen der Zeit erkannt haben. Im Publikum fehlten aber natürlich die Herren aus dem Haupt-Konferenzsaal.

Und was war jetzt mit dem Thema IT Sicherheit auf der Sicherheitskonferenz?

Ich habe mir wirklich Mühe gegeben und intensiv gesucht. Zunächst im vorab erschienenen Report zum Motto #Westlessness. Da war die Sicherheit im Internet (of Things) den Verfassern nicht mal ein eigenes Kapital wert. Es finden sich lediglich Andeutungen im Bereich Space Security – Ja, man kann Satelliten hacken. Und in dem Absatz, in dem es um die Russisch-Chinesische Zusammenarbeit geht – auch im Bereich Internet und Künstliche Intelligenz.

Persönlich finde ich das alarmierend. Denn neben der Suche nach einer neuen Weltordnung, sollten sich die Staatschefs und Sicherheitsexperten doch eigentlich auch vermehrt mit dem digitalen Part einer globalisierten Welt auseinandersetzen. Schließlich lassen sich Sicherheits-Strategien kaum noch nach analog und digital unterscheiden. Zu oft haben wir bereits erlebt, dass vertrauliche Daten in falsche Hänge gelangt sind und Terroristen-Gruppen über das Internet Nachwuchs rekrutieren. Von tatsächlichen – nachgewiesenen – Hackerangriffen mal ganz zu schweigen. Warum kann man in einem solchen Rahmen das Thema nicht klar auf die Agenda bringen – als eigenes Kapitel, nicht als Unterthema?