Wo das Internet die Welt bedeutet

Am Sonntagabend vor einer Woche hatte ich einen spontanen Call mit Alexandra Wester (Olympische Weitspringerin) und Joshiko Saibou (Profi-Basketballer bei den Telekom Baskets in Bonn). Die beiden Profi-Sportler hatten bei einer Charity-Reise für ihre Initiative Smiling Kids of Africa in Gambia den Sprinter Momodou Sey kennengelernt.

Momodou trainiert aktuell unter schwierigen Bedingungen Zuhause, soll sich aber bald mit Alexandra und weiteren Olympia-Sportlern in Kalifornien auf die Qualifikation und dann die Olympischen Spiele in Tokyo 2020 vorbereiten können. Dazu haben Alexandra und Joshiko eine Spenden-Kampagne gestartet, bei der ich gerne mit dabei bin.

Eine Situation in der letzten Woche, hat mir wirklich zu denken gegeben. Das war, als ich mit Momodou, der über Whatsapp und Instagram verfolgt wie die Kampagne vorangeht, über das Thema Konnektivität geschrieben habe:

Gambia liegt in Westafrika und laut meiner Recherche hat die Regierung vor einigen Jahren ein Untersee-Kabel zur direkten Anbindung an schnelles Internet abgelehnt. Wer vor Ort online gehen möchte, tut das meist mit dem Smartphone und bezahlt sein Datenvolumen häufig per Pre-paid Karte. Wir haben glücklicherweise eine Lösung gefunden, wie man das Guthaben online aufladen kann, sodass Momodou keine wertvolle Trainings-Zeit dafür verschwenden muss.

Wenn er vor allem Whatsapp nutzt und nur wenige Datenpakete herunterlädt, kostet Momodous Verbindung zur Welt täglich etwa 300 Dalasi – das sind umgerechnet mehr als 5 Euro!

Stellen wir uns mal kurz vor, wir würden unsere eigene Internet-Verbindung auf Schnecken-Geschwindigkeit umstellen, kaum eine unserer geliebten Anwendungen nutzen und trotzdem mehr als 150 Euro im Monat dafür bezahlen – un-vor-stellbar!

Durch den Austausch mit Momodou, wurde mir mal wieder vor Augen geführt, wie wenig dankbar wir für die technischen Möglichkeiten sind, die wir quasi jeden Tag vor die Nase gelegt bekommen. Wir freuen uns gar nicht mehr darüber, dass wir das Internet nutzen dürfen. Es ist einfach da. Digitale Transformation? Joa, aber läuft ja noch alles. Neue digitale Geschäftsmodelle? Ach, im nächsten Budget einplanen… vielleicht.

Aktuell ist Gambia, wie viele andere (afrikanische) Länder auch, noch kein attraktiver Markt für die großen und kleinen Plattformen. Durch die technischen Hindernisse und die hohen Kosten, ist die Zielgruppe der tatsächlichen Internetnutzer einfach zu gering.

Aber vielleicht ändert sich ja die Wahrnehmung, wenn ein Sprinter aus Gambia die erste Olympia-Medaille mit nach Hause bringt. Um das zu ermöglichen und Momodou mit seinen Unterstützern weltweit zu verbinden, nutzen wir das Internet gerne. Wer mitmachen möchte: hier entlang. Und wer noch ein paar analoge Freunde und Kollegen hat, darf ihnen ausnahmsweise mal diesen Flyer ausdrucken.