Was ich gerne vorher gewusst hätte: Marketing

Ziel dieser Blogreihe ist es, meine Erfahrungen weiterzugeben, nachfolgende Gründerinnen zu motivieren und ein paar hilfreiche Tipps an die Hand zu geben.

Beginnen wir mit der recht simplen und einleuchtenden Grundregel für (angehende) Unternehmer/innen: Entweder, du hast Budget – oder du machst den Kram halt selbst. Da das ja mit dem Budget so eine Sache ist (siehe vorheriger Blogbeitrag), wird man mit der Zeit Experte für Kram, für den man eigentlich gerne jemanden einstellen würde. Aber das muss nicht immer schlimm sein 😀

 

Was kannst du und was kann man daraus machen?

Ganz wichtig ist daher für jeden, der darüber nachdenkt ein Unternehmen zu gründen, dass man seine eigenen Stärken und Schwächen einigermaßen kennt. Die muss man nicht jedem direkt auf die Nase binden (meine: Verkaufen, siehe nächster Beitrag), aber es hilft bei der internen Planung enorm. Ganz praktisch ist es, wenn man über die fachlichen Kompetenzen hinaus, vorher schon einmal ein bisschen rechts und links des Weges geschaut und ausprobiert hat.

Lustigerweise hat mir gerade in Sachen Marketing mein oft kritisierter Zick-Zack-Lebenslauf geholfen. Eine Zeit lang wollte ich mal Wirtschaftsjournalistin werden. Also während der Zeit, als ich nicht gerade an meinen Websites gearbeitet habe, oder mich als zukünftige Architektin gesehen habe. Das führte dazu, dass ich von der Schulzeit an (Klischee: Schülerzeitungs-Chefredakteurin) viel Zeit als rasende Musik-Reporterin und Praktikantin bei Zeitung, Radio und Fernsehen verbracht habe. Vermutlich deswegen liegt der Schwerpunkt meines Marketings vor allem auf Storytelling und Community Building.

 

Keine Angst vor Low Budget!

Grundsätzlich habe ich die Erfahrung gemacht, dass so eine Low Budget Strategie in Sachen Marketing für den Anfang gar nicht schlecht ist. Man lernt sein Ökosystem viel besser kennen. Auch gehören Marketing, Sales und Product Development für mich persönlich eng zusammen (trotzdem gibt’s zum Thema Sales einen extra Beitrag, weil der hier sonst zu lang geworden wäre). Gerade bei solchen „vorbelasteten“ Themen wie Datenschutz und IT Sicherheit, hat die Wahrnehmung eines Produkts auch viel mit dem Format und dem jeweiligen Wording zu tun.

Viele unserer heutigen Module sind durch das umfangreiche Feedback verschiedener Kontakte entstanden oder über die Jahre besser geworden. Und wer kein Budget hat, kann auch keins in den Sand setzen. Ich habe mal zusammen gerechnet, dass ich für Marketing und Werbung in den letzten 4 Jahren knapp 3.000,- Euro ausgegeben habe. Die meisten Aktionen (Xing-Werbung, Print-Anzeigen, Marketing Coach) haben übrigens nichts gebracht, während mein Blog und meine Online-Präsenz sowie Kooperations-Projekte und bezahlte Vorträge (#KeynoteSpeaker) meine Zielgruppe direkt erreichen.

 

Machen und auffallen

Dabei muss der Inhalt nicht immer streng seriös sein. Im Gegenteil: Mir ist aufgefallen, dass ich mich viel wohler fühle, wenn ich einfach ich selber sein kann. Außerdem reagieren so Kontakte und Kunden auf mich, die mir nicht gleich meine fachliche Kompetenz absprechen, nur weil ich mich Anfang Dezember als Rentier verkleide und das Bild auch in ein Business Netzwerk poste.

Authentizität ist glücklicherweise immer mehr gefragt in der Online-Welt. Wir müssen niemandem etwas vorspielen und keine typischen (männlichen) Führungskräfte-Rollenklischees erfüllen, um erfolgreich zu sein!

Allerdings ist gerade das Thema Präsenz vom Zeitaufwand her nicht zu unterschätzen. Auf meinen Blog haben im ersten Jahr nur wenige Leute reagiert. Meist habe ich Freunde per Whatsapp angeschrieben und auf einen neuen Post aufmerksam gemacht, um überhaupt mal Feedback zu meinen Texten zu bekommen. Seit Jahr 2 ungefähr, kommen immer mehr „Fans“ auf allen Kanälen hinzu.

Meine Social Media-Kernzeit heutzutage ist von ca. 6.30 Uhr bis ca. 8.30 Uhr morgens. Dort lese und beantworte ich Nachrichten, poste neue Inhalte und halte so die Marketing-Maschinerie am laufen. Blogbeiträge schreibe ich häufig im Zug oder Flugzeug. Zusätzlichen Content, wie Inhalte für YouTube, bearbeite ich am Wochenende. Hinzu kommen weltweite Events, auf denen ich für mein Unternehmen und meine Projekte unterwegs bin. Das alles als eine Art Marketing-Nebenjob. Denn meine Hauptaufgaben sind die Arbeit mit unseren Kunden und an unseren Projekten.

 

Vorbilder & neue Wege

Ob  man sich für diesen Nebenjob einen Marketing oder Business Coach sucht oder nicht, ist mehr so eine Philosophie-Frage. Mir hat das Coaching für knapp 1.000,- Euro damals nicht viel gebracht. Ich hatte den Tech Part und den Content Part ja schon zusammen und das Gefühl, dass ich mich mit Hilfe des Coachings nicht weiter in die Tiefe der Materie vorarbeiten konnte.

Was mir sehr geholfen hat ist, die Augen offen zu halten, was sich im internationalen Markt so tut. So bin ich auch zum Keynote Speaking gekommen. Das ist eine tolle Gelegenheit, für Auftritte bezahlt zu werden, durch einen kurzen Impuls einen Mehrwert zu liefern und gleichzeitig potentielle neue Kunden zu erreichen.

Außerdem suche ich quasi täglich in den verschiedenen Netzwerken nach Menschen, die schon da sind, wo ich einmal hin möchte. Wichtig sind mir dabei ähnliche Grundwerte im Umgang mit Kunden und Menschen im Allgemeinen. Besonders spannend wird es natürlich, wenn ich eine erfolgreiche Person mit einem ähnlichen Geschäftsmodell oder der gleichen Zielgruppe finde. Da kann ich mir wieder ein paar Ideen abschauen. Nicht nur deshalb würde ich mir wünschen, dass die Gruppe erfolgreicher Tech Unternehmerinnen global in den nächsten Jahren stark wächst. 😉

 

Was ich Gründerinnen heute raten würde:

1. Ohne Strategie sind Veränderungen und Erfolge nur schwer zu messen. Viele Gründer/innen verstehen nicht so richtig, wie soziale Interaktion im Internet funktioniert. Das macht es schwer, wirkungsvollen Content für die richtige Zielgruppe zu produzieren, Kommunikationskanäle zu betreuen und potentielle Kunden abzuholen. Ich erlebe heute immer noch, dass auch junge Gründer/innen das Internet eher wie einen Fernseher benutzen. Sie senden Informationen aus, beschäftigen sich aber nicht mit ihrer Community. Die Interaktion, um die es gerade in den sozialen Medien geht, fehlt. Wer sich am Anfang erst eine klare Strategie ausdenkt und diese dann durch Feedback nach und nach anpasst, kann mit der Zeit besser und genauer auf die eigene Zielgruppe eingehen – und neue entdecken.

2. Was kannst du und wie fühlst du dich wohl? Es bringt nichts, sexy Influencer auf Instagram zu spielen, nur weil man denkt, damit würden andere ja auch viel Was-auch-immer verkaufen (sowieso eine zweifelhafte Angelegenheit). Wenn du dich auf einem sozialen Netzwerk nicht wohlfühlst, oder z.B. keine Fotos von dir Online stellen möchtest, dann musst du dir einen anderen Kanal und eine andere Art der Kommunikation für dein Marketing suchen, die dir besser liegt.

3. Bleib du selbst. 

4. Content ist vielfältig! Schreiben und Reden ist mein Ding. Beides fällt mir meistens leicht. Du hast vielleicht ganz andere Interessen und Ausdrucksweisen, die dir liegen. Nutze deine Talente und versuche nicht zwanghaft, andere nachzuahmen. Das wird dich gerade am Anfang viel zu viel Zeit kosten, die du sinnvoller investieren kannst.

5. Hau raus, oder lass es bleiben. Du musst kein Content-Perfektionist sein, aber du wirst mit der Zeit ein Gefühl entwickeln, was du gut findest und was nicht. Wenn du an etwas gearbeitet hast und es dann doch nicht so toll findest, dann weiche lieber mal von deinem Posting-Plan ab und teile beim nächsten Mal wieder etwas, wo du voll hinterstehst.

6. Lerne deine Zielgruppe kennen, aber fasse sie nicht zu eng. Gerade im B2B Bereich ist die Wahrscheinlichkeit, jemanden auf dem richtigen Fuß zu erwischen, wenn es sowieso gerade nach einer Lösung wie deiner sucht, relativ gering. Aber auch im Endkunden-Geschäft (B2C) gibt es tausende Faktoren, warum es gerade nicht passt. Bleib cool (schwierig, wegen dem Finanzthema) und halte losen Kontakt zu allen „Schnüfflern“, die sich noch ein bisschen mehr und ein bisschen länger über dich und dein Unternehmen informieren möchten. #SocialNetzworks

7. Mach dich mit Metadaten Tracking und technischen Hintergründen vertraut!

8. Investiere erst, wenn du selber eine gute Grundlage gelegt hast. Nur so weißt du überhaupt, wo zusätzlicher Bedarf besteht, was du selber lernen oder vielleicht doch irgendwann jemand anderem übergeben möchtest.

9. Bleib dran! [Wie geschrieben: dieser Blog, erstes Jahr, kaum Feedback. Und schau ihn dir jetzt an. 😉 ]

Nächstes Mal geht es dann um das Sales-Thema (meine größte Schwäche… und nicht in dem Sinne wie Peanut Buttercup Eiscreme). Fragen werden laufend entgegen genommen. 😀

Aktueller Stand meines Unternehmens: cdt digital GmbH