Liebes Finanzamt… Digitalisierung jetzt! Bitte!

Es ist Montagmorgen. Ich beantworte Rückfragen vom Finanzamt zu meiner Steuererklärung 2018 und dem Firmen-Umzug von Potsdam nach Köln. Der Hauptteil der Kommunikation findet per Post statt. Also ich schicke eine E-Mail und bekomme dafür dann einen Brief zurück. Finde ich im Jahr 2019 schon ein bisschen komisch. Nichts gegen Brief-Freundschaften – aber mit dem Finanzamt?

Als ich unseren früheren Finanzminister Wolfgang Schäuble einmal auf einer Veranstaltung zum Thema Digitalisierung traf, sagte er mir, er sei kein Digital Native, sondern eher ein Digital Immigrant. Ich glaube, das sollte lustig sein. Wäre es auch, wenn ich nicht bei jedem Kontakt mit der Finanzverwaltung merken würde, dass er da in dem Fachbereich nicht der einzige ist.

Trotzdem ist Digitalisierung jetzt! ja kein Moser-Blog sondern ein Veränder-Blog. Daher hier ein paar Ideen zur Verbesserung der Situation rund um das Thema Steuern & Abgaben:

 

Macht neu!

Wie ich gestern Abend gelernt habe, ist die meiste Literatur zum Thema Steuerrecht weltweit auf deutsch verfasst. Wundert mich nicht. Ein komplexes Steuerrecht macht allerdings auch jede technische Lösung, die damit klarkommen soll, doppelt und dreifach kompliziert – und extra teuer. Also bitte hier ausmisten und neue logische Steuergesetze schaffen, die zur globalen Geschäfts-Realität passen!

 

Macht einfach!

Steuerrechtlich gesehen bin ich: ich selber, Einzelunternehmerin und GmbH-Geschäftsführerin. Der letzte Steuerberater hat schon mit der Testaufgabe, die ich seiner Kanzlei übertragen hatte, total versagt und absolutes Chaos angerichtet.

Da ich mich seit Jahren um meine Steuern kümmere, habe ich mich auch hier also wieder eingearbeitet und persönlich Schadensbegrenzung betrieben. Ich möchte aber gar nicht wissen, wie viele Steuererklärungen überhaupt gar nicht korrekt eingereicht werden können, weil sich Unternehmer eben auf den entsprechenden Steuerberater verlassen, der aber überfordert ist, kein Fachpersonal findet oder aus sonstigen Gründen nicht ordentlich arbeiten kann.

Die Lösung des Problems wäre auch hier die Vereinfachung des Gesamtsystems. Keine Panik! Selbst ein einfaches Steuersystem mit einem funktionierenden technischen Übermittlungs-Angebot, schafft immer noch ausreichend Beratungsbedarf für gute Steuerberater. Auslands-Geschäft ist und bleibt so ein Thema.

Mein Träumchen ist ja der übergreifende Bürger-Login. Dort könnte ich als ich selber mich und meine Staatsbürgerschaft sowie entsprechende Änderungen und Steuern verwalten. Als Einzelunternehmer bekomme ich entsprechende zusätzliche Funktionen und für die GmbH weitere Add-ons, in denen ich z.B. meinen Mitgesellschafter verknüpfen kann.

Über sichere Verbindungen könnten hier auch die jeweiligen Konten hinzugefügt werden. Dann müsste ich eigentlich nur noch die jeweiligen Abbuchungen und Zahlungseingänge mit entsprechenden Tags versehen – und schon könnte eine passende Steuersoftware (Elster 5.0 oder so) meine absetzbaren Beträge und die Steuern regelmäßig selbst ausrechnen. Ich schaue nur noch einmal drüber, nehme evtl. kleinere Korrekturen vor und klicke auf [senden].

Damit wären auch die Fehlbeträge Geschichte, die Elster aktuell aufgrund von verschiedenen Eingabe-Arten produziert. Im Endeffekt würde der Staat also mehr Steuern bekommen, bei weniger Aufwand und Frust für Bürger und Unternehmen.

 

Brauchen wir dann noch Finanzbeamte?

Ja, bitte gerne. Ähnlich wie Steuerberater könnten sie sich um die komplexen Themen kümmern. Valide Anhaltspunkt für eine Prüfung wären dann z.B., wenn ein Steuerzahler weniger Konten in seinem Bürger-Account verknüpft bzw. eingegeben hat, als auf ihn eingetragen sind oder die verknüpften Konten uneindeutige Transaktionen aufweisen. Eine große Grauzone, mit denen Steuerbehörden noch nicht gut umgehen können, sind z.B. Online-Zahlungsabwickler für Online-Services. Hier ist noch viel zu tun – im Sinne der Bürger.

Alle anderen Finanzbeamten brauchen wir für einen freundlichen zuvorkommenden Kundenservice und um die alten Akten zu archivieren. Die müssen ja erst einmal aufbewahrt werden – irgendwo tief im Keller.