Nomadenleben: drüber sprechen

Vor zwei Wochen habe ich auf dem Blog gepostet, dass ich meine Wohnung aufgeben und ab sofort aus dem Rucksack leben werde – aber gleichzeitig ganz normal weiter arbeite. Digitales Nomadenleben, ohne Aussteigen. Meinen Freunden habe ich natürlich schon vorher von meinen Plänen berichtet, nach und nach dann auch allen relevanten Ansprechpartnern. Die Reaktionen waren recht unterschiedlich – und sehr interessant.

 

 

Wirklich negativ und unfreundlich war eigentlich nur der Herr im Rathaus, bei dem ich mich offiziell abgemeldet habe. Hauptsächlich, weil es kein passendes Kästchen im Formular gab, das die Situation eindeutig beschreibt. Das deutsche Meldegesetz sei für diese Art von Globetrotterei nicht gemacht. [Sorry Meldegesetz, dein Problem – nicht meins.] Als er bemerkte, das dieses Argument bei mir nicht zieht, versuchte er es noch kurz mit „Und am Ende haben Sie dann tausende Euro Schulden bei der Krankenversicherung.“, worauf ich entgegenete „Ich glaube nicht, mit denen habe ich heute morgen erst telefoniert.“

Neben der Frage nach Versicherungen und Postadresse, gab es auch ein Gespräch darüber, was ich denn mache, wenn ich unterwegs krank werde. Tatsächlich etwas, das ich niemandem wünsche. Ich hatte allerdings schon mehrfach die Situation, dass ich auf Fernreisen wirklich ausgeknockt war und eben nicht in meinem eigenen Bett schlafen und mich erholen konnte. Daher habe ich diese Horror-Vorstellung überwunden und weiß, dass einem in den ersten Tagen – z.B. bei einer schweren Erkältung – eh alles egal ist und sich auch immer jemand findet, der eine Wasserflasche, Essen oder Medikamente besorgt. Bei schwereren Verletzungen führt eh kein Weg am Krankenhaus vorbei – egal, ob in Deutschland oder sonstwo.

Erstaunlich fand ich, dass ich mit meiner Entscheidung offensichtlich einen Nerv bei sehr vielen Menschen um mich herum getroffen habe. Ich weiß gar nicht mehr, wie oft ich in den letzten Wochen Sätze beginnend mit „Ich würde ja gerne auch…“ und dann einem fetten „ABER“ gehört oder gelesen habe. Der Job, die Kinder, das eigene Alter, die Angst vor Veränderung. Alles Argumente, etwas nicht zu tun. Irgendwie finde ich das verständlich, aber auch traurig.

Natürlich sollte man sich die Entscheidung, seinen Wohnsitz aufzugeben und aus einem Rucksack zu leben gründlich überlegen. Wahrscheinlich wäre es für mich schwerer, wenn ich nicht sowieso schon digital und ortsunabhängig arbeiten würde. Die geplante Berichterstattung auf dem Blog hilft mir, Struktur in meinen Reiseplan zu bringen. Und wenn ich älter wäre oder mich an meinem letzten Wohnort wohlgefühlt hätte, würde ich wahrscheinlich nicht so spontan in dieses Abenteuer starten.

Ich kann mir allerdings in letzter Zeit immer weniger vorstellen, Ideen einfach zu begraben und mich dann später einmal zu wundern, was wohl daraus geworden wäre.

 

Work & Travel Disclaimer

Während meiner Reise arbeite ich ganz normal weiter. Man kann mich für Vorträge, Workshops und Management Trainings buchen, oder Projekt-Unterstützung anfragen. Auch die verschiedenen Projekte der cdt digital GmbH werden fortgesetzt.