Nomadenleben: ausmisten

Es ist Samstagnachmittag. Vier Tage noch, bevor ich etwa ein Jahr lang aus meinem 50l Rucksack in Handgepäck-Größe leben werde. In den letzten Tagen habe ich bei 40 Grad Außentemperatur meine Wohnung – und damit auch ein bisschen mein Leben – aussortiert und bin nun an dem Punkt angekommen, an dem ich den Kram eigentlich nur noch an den Straßenrand stellen und wegrennen möchte.

 

Warum habe ich so unpraktische Sachen?

Abgesehen von den paar Reise-Items, die ich eh schon immer mit dabei habe, finde ich den Rest meines Besitzes gerade mega unpraktisch. Klar ist es toll, fünf schicke Abendkleider zu haben – aber wann kann man die mal anziehen? Und in Zeiten von Instagram soll man die ja auch eigentlich nicht zweimal anziehen. Ich finde mein Dampfbügeleisen super, obwohl ich bügeln doof finde. In den Rucksack passt das aber auch nicht.

Man sagt ja, dass Frauen um die 30 rum irgendwann mal ihren ultimativen Stil finden. Da muss ich wohl noch eine Runde suchen. Dabei liebe ich Kleidung eigentlich sehr. Immerhin habe ich es geschafft, Pullover, Kleider und Blusen, die vorher hübsch auf zwei Meter Kleiderstange gehangen haben, in einen Reisekoffer zu packen, um sie ordentlich einzulagern.

Wenn es um meine Bürosachen geht, habe ich ja schon mehrfach angemerkt, dass die nächste IT Sicherheits-Broschüre definitiv nicht mehr auf Premium-Papier gedruckt wird. Viel zu unpraktisch in der Logistik. Die restlichen Exemplare habe ich mundgerecht in Kisten mit nun jeweils etwa 35kg verpackt [an dieser Stelle noch einmal die dringende Empfehlung für die digitale Version!] Um die Ordner für die Bürokratie kommt man ja leider nicht drum herum. Damit alle Daten sicher sind, darf der abschließbare Schrank gleich mit umziehen.  Am Montag besorge ich mir erst mal ein Rollbrett, da freut sich mein Rücken. Bis dahin ist aber noch viel zu tun. Mindestens eine Ausmisten-Runde gönne ich mir noch. Damit ich mich nachher nicht ärgere, unnützes Zeug durch die Gegend gerollt zu haben.

 

Was darf bleiben?

Ich habe schon überlegt, einen Vortrag über die Parallelen zwischen Wohnung ausmisten und Altdaten im Unternehmen ausmisten auszuarbeiten. Wer da Interesse hat, darf sich gerne melden.

Für beides ist entscheidend: klare Regeln festlegen!

In Sachen Hausrat darf alles bleiben, was…

…ich so gerne mag, dass ich es ständig benutze und auch auf Reisen nicht missen will.

…in naher Zukunft einen Mehrwert erfüllt und mitgenommen werden kann – bestes Beispiel: mein Lieblings-Wintermantel.

…nostalgischen Wert hat oder zu persönlichen Dingen zählt.

…ich für meinen nächsten Haushalt sowieso genauso wieder neu kaufen würde.

…ich für meine Arbeit hin und wieder benötige.

Zugegeben, bei Büchern, Schuhen und Technik-Kram könnte es noch ein wenig weniger werden.

 

Was passiert mit dem Rest?

Nach ein paar Telefonaten und Empfehlungen, habe ich ein Übergangsheim gefunden, was viele meiner aussortierten Sachen gut gebrauchen kann [Tipp: Einfach mal bei der Kirche nachfragen]. Ein paar Dinge bekommen bei meinen Freunden ein neues Zuhause. Ansonsten habe ich fleißig Einträge auf Ebay Kleinanzeigen, Facebook Marketplace und Quoka geschaltet und Abreiß-Zettel in der Nachbarschaft aufgehängt. Meine Bibliothek habe ich zur Hälfte behalten und die andere Hälfte mit der Momox-App abgescannt. Technik, die nun wirklich zu viel war, geht an Rebuy und Zoxs. Da die oben genannte Organisation auch dringend Frauenkleidung benötigt, habe ich das Thema nicht weiter verfolgt. Aber auch da gibt es online ja zahlreiche Möglichkeiten.

Was mich schwer schockiert hat: Es tut mir überhaupt nicht leid, mich von diesen Dingen zu trennen. Alles, zu dem ich eine emotionale Verbindung habe, passt in einen kleinen Koffer und wird natürlich eingelagert. Bei meinem Fahrrad hoffe ich, dass es in gute Hände kommt und sich jemand darüber freut. Aber ansonsten? Fühle ich mich ein bisschen schuldig, so dermaßen an First World Problems zu leiden. Wenn man überlegt, was man wirklich braucht und schätzt und wie viel man einfach trotzdem hortet – und ich mag noch nicht mal Kitsch und Deko, also mein Horten hält sich wirklich in Grenzen – ist da schon eine riesige Differenz. Ich bin gespannt, ob und wie sich meine Ansicht dazu demnächst verändern wird.

 

Work & Travel Disclaimer

Während meiner Reise arbeite ich ganz normal weiter. Man kann mich für Vorträge, Workshops und Management Trainings buchen, oder Projekt-Unterstützung anfragen. Auch die verschiedenen Projekte der cdt digital GmbH werden fortgesetzt.