Smarte Gebäude und was ihre Besitzer wissen sollten

Das Zuhause wird immer digitaler. Spätestens seit Sprach-Assistenten Einzug in Küchen und Wohnzimmer gehalten haben, wollen immer mehr Menschen auch die passenden smarten Geräte in ihren Wohnräumen haben, die sich digital steuern lassen. Auf der Light + Building Messe in Frankfurt treffen sich alle 2 Jahre die großen und kleinen Namen der Bau- und Licht-Branche. Immer mehr Anbieter spüren den Druck, zur bestehenden Produktpalette auch smarte Lösungen für Firmen- und Endkunden anzubieten. Dabei sind die sichtbaren Geräte wie Leuchtmittel, Thermostate, Schließsysteme, Touchpads und Kameras spannend, aber auch die versteckte Technik und die Plattformen dahinter sind nicht ohne.

 

20180323_155403
Bild: cdt, Jablotron-Stand, Light + Building 2018

 

Umso erstaunlicher ist es, dass es dieses Jahr zum ersten Mal eine Halle gibt, die sich dem Thema Sicherheit widmet. Es mag dem Endkunden nicht immer bewusst sein, aber auch ein Smart Home oder im großen Stil ein Smart Building ist ein – schnell recht komplexes – Internet of Things (IoT) Setup, das sorgfältig geplant und entsprechend gesichert sein sollte. Smart Home Komponenten sind nicht für Plug & Play geeignet. Einfach aus der Packung nehmen, schnell installieren und dann ist gut, wird von vielen Anbietern zwar beworben, kann aber zu bösen Überraschungen führen.

Viele Hersteller auf der Messe bestätigen mir, dass sie in Bezug auf Geräte-Funktionen, Komponenten-Design und Absicherung noch ganz am Anfang stehen. Schließlich will niemand den Markteinstieg verpassen. Nicht zuletzt Startups und bisherige Industrie-Zulieferer setzen auf das zukünftige Geschäft mit Bauherren und Bewohnern. Was an Geräten verfügbar ist, sind also erst einmal Zwischenlösungen. Einige vom Design her schon recht schön. Das sollte aus der Sicherheits-Perspektive aber an zweiter Stelle stehen.

Auffallend ist, dass jeder Hersteller am liebsten seine Komplettlösungen verkauft und es nur wenige Standards gibt. Diese wären wichtig, um dem Endkunden die Auswahl der jeweilig verwendeten Geräte überlassen zu können. So könnte auch ein technisch wenig erfahrener Kunde sein Smart Home unkompliziert individuell zusammenstellen. Für Bastler, die einen eigenen Home Server zu Hause haben und ihr Smart Home in der Freizeit stetig updaten und erweitern ist das nervig, aber ein lösbares Problem. Der Endkunde ohne technisches Interesse oder tiefergehende Kenntnisse, der vor allem schnell und unkompliziert die Annehmlichkeiten der digital vernetzten Geräte nutzen möchte, findet derzeit einen undurchsichtigen Markt vor.

 

Interessant: Aussteller-Verzeichnis Light + Building 2018

 

Was er bekommt ist selbst im Premium-Bereich davon abhängig, für welchen Elektro-Fachbetrieb er sich entscheidet und wie es dieser mit der Weiterbildung seiner Mitarbeiter hält. Auch sollte ein Fachbetrieb darüber informieren können, worauf es bei der Einrichtung eines Smart Homes wirklich ankommt. Möchte der Kunde sich vor Einbrechern schützen, seine Medien-Nutzung optimieren oder Energie sparen? Eigentlich braucht jedes Smart Home einen Projektmanager, der die Ziele des Besitzers, die Gegebenheiten des Gebäudes und die Möglichkeiten der jeweiligen Geräte kennt. Nur so lassen sich eventuelle Sicherheits-Lücken und Kommunikations-Probleme von vorne herein abschätzen und vermeiden.

 

Smart Home Besitzer-Typen

 

Der Bastler:

Es gibt ein neues spannendes Smart Home Gerät im Handel, auf Kickstarter oder als Selbstbau-Anleitung im Internet? Der Bastler ist Feuer und Flamme. In oft jahrelanger Kleinarbeit hat er sich sein Smart Home selbst gebaut und kennt das System bis ins kleinste Detail. Mit Hilfe eines eigenen Home Servers macht er sich weitestgehend unabhängig von Anbieter-Software und Standards. Sollte ein Gerät einmal Probleme machen, weiß der Bastler Bescheid und opfert auch schon mal ein ganzes Wochenende für die Problemlösung. Der Social Media affine Bastler postet seine Neu-Anschaffungen und technischen Erkenntnisse fleißig in entsprechenden Facebook-Gruppen.

 

Der Neubauer:

Wer im Jahr 2018 neu baut, hat eigentlicht kaum noch eine Wahl, als zumindest die Grundlagen für ein smartes Zuhause zu schaffen. Wie bei einem guten Online-Shop, sollte sich aber auch der Neubauer erst einmal mit den zukünftigen Kunden = Hausbewohnern auseinandersetzen. Nicht jeder mag es komplett digital. Trotzdem sollte ein Haus, das länger als 5 Jahre genutzt werden soll, die infrastrukturellen Möglichkeiten für spätere Aufrüstung bieten. Oder ganz simpel: Sorgen Sie z.B. für möglichst viele Kabel-Kanäle, wenn das Smart Home wachsen können soll. Denn bei massiver Bauweise können Sie von flächendeckender Funkübertragung nur träumen.

Inspiration: Viva Green Homes (US)

 

Der Renovierer:

Der Renovierer hat ähnliche Probleme wie der Neubauer – und noch eins extra: das Haus steht schon und lässt sich nur bedingt nachträglich modifizieren. Leider haben auch die Hersteller den Renovierer noch nicht so richtig als potentiellen Kunden entdeckt. Optimales Renovieren gelingt mit Hilfe eines Bastlers und eines kompetenten Elektro-Fachbetriebs. Unterstützung weiterer Gewerke je nach Budget nicht ausgeschlossen.

 

Der Premium-Neubauer:

Besonders der Premium-Neubauer, sofern nicht selber ein Bastler, sollte bei der aktuellen Marktlage vorsichtig sein. Sollte er sich und sein Luxus-Gebäude nicht langfristig an einen Geräte-Anbieter binden wollen, müsste er optimalerweise einen Projekt-Manager/ Bastler in Kombination mit einem fähigen Elektro-Fachbetrieb anheuern. Seriöse Betriebe können ganz genau Auskunft darüber geben was sie können – und was nicht. Auch der Premium-Neubauer sollte sich persönlich mit den gewünschten und möglichen Funktionen seines Smart Homes vertraut machen.

 

Egal, in welcher Beschreibung Sie sich wiederfinden, es gilt immer zu beachten: Auch smarte Geräte sind vernetzte Maschinen und es müssen genau dieselben Punkte beachtet werden, wie bei der Sicherung jedes anderen IT Netzwerks. Seien Sie kritisch! Wenn Sie sich ein neues smartes Gerät ins Haus holen, denn recherchieren Sie und nehmen sich genauso lange Zeit es kennen zu lernen, wie Sie es bei einem neuen Haustier tun würden.

 

Broschüre: IT Sicherheit (nicht nur) für Politiker

Kommentar verfassen