b2g digital 2017 – Diese Themen bewegen Wirtschaft & Politik (weiterhin)

„Game Changer Digitalisierung“ lautete das Motto der diesjährigen Münchner Webwoche, in deren Rahmen wir die 2. Runde unseres business 2 government Formats veranstaltet haben. Leider beschlich uns dabei der Eindruck, dass die Bedeutung der Digitalen Transformation für unsere Gesellschaft noch nicht in jeder Amtsstube angekommen ist. Ganz vorne mit dabei und im Thema drin, präsentierten sich Vertreter von FDP und Grünen. Die Freien Wähler sagten kurz vor der Veranstaltung ab und CSU und SPD ließen sich trotz wochenlanger Telefon-Marathons nicht überzeugen, überhaupt einmal einen Teilnehmer zu schicken. Der Qualität der Veranstaltung hat dies allerdings nicht geschadet. Wie schon vermutet, spitzen sich die Themen, die schon beim letzten Mal in Berlin und München auf die Tische kamen, weiter zu.

 

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Bild: Matthias Rüby

Alle Anwesenden, egal ob Gründer, Geschäftsmann, Politiker oder Schüler waren sich einig, dass die Digitalisierung eine umfassende und herausfordernde Gesamtaufgabe darstellt, die massiv in sämtliche Lebensbereiche eingreifen wird. Auch einig waren sich alle, dass nicht nur in Bayern, sondern in Gesamt-Deutschland vor allem auf der politischen Ebene deutlich mehr passieren muss, um die Herausforderung zu meistern. Man klopfe sich noch viel zu sehr für gute Entscheidungen aus der Vergangenheit auf die Schultern, die sich jetzt bemerkbar machen, aber habe die rasante Weiterentwicklung von Technologien und die damit verbundenen sozialen Verschiebungen nicht im Blick. Es werde zu wenig darüber gesprochen, welche Weichenstellung der Politik es hier und jetzt bedarf, um in Zukunft die Wettbewerbsfähigkeit des Standorts zu erhalten. Dazu zählt unter anderem auch die technische Förderung des Nachwuchses.

Der saß in Form eines Abiturienten gleich mit am Tisch und hat uns einen Einblick in den bayerischen Gymnasial-Alltag gegeben. Programmierung hätte mal irgendwann auf dem Stundenplan gestanden, aber ein Wahlpflichtfach Informatik oder ähnliches würde komplett fehlen. Dabei ginge es vielen jungen Leuten gar nicht darum, zum absoluten Experten zu werden. Aber es müsse doch möglich sein, die Schule zu verlassen und eine Grundidee technischer Zusammenhänge mitzunehmen. Ganz besonders beschäftige viele Jugendliche, was genau im Internet mit ihren Daten passiert. Auch ein paar Informationen zur Einrichtung und Sicherung von Computern und anderen Geräten wären vor Ende der Schulzeit durchaus hilfreich.

Das technische Interesse beim Nachwuchs ist also vorhanden. Dies gilt es bereits heute auch weiter zu entwickeln und zu nutzen. Ein Verbands-Vertreter machte uns bei der Berichterstattung des aktuellen Digitalisierungs-Status seiner Mitgliedsunternehmen allerdings wenig Hoffnung, dass die breite Masse der Arbeitgeber bereits in der Lage ist, den Digitalisierungs-Hunger der Digital Natives, die ganz selbstverständlich mit Smartphone und Tablet aufgewachsen sind, zu stillen und in wirtschaftlichen Mehrwert umzuwandeln. Auch der Umgang und die gewinnbringende Nutzung von digitalen Daten bleibt so den meisten Unternehmen noch verwehrt.

Um Daten, Hasskommentare im Netz und IT Sicherheit drehten sich auch viele Gedanken der anderen Teilnehmer. Besonders die anwesenden Politiker mit Erfahrungen in Parteien und Behörden, äußerten ihre Sorge über Datendiebstahl und Hacker-Angriffe, nicht zuletzt mit Blick auf die im September anstehende Bundestagswahl. Insgesamt kann man festhalten, dass die Digitalen Fähigkeiten, besonders in Behörden und bei Entscheidern – auch in Unternehmen – immer noch zu gering sind. Aber woher sollen sie auch kommen, wenn dies nicht mal Thema in der Schulzeit war? Dem gegenüber stehen die komplexen Herausforderungen der Digitalen Transformation. Diesen Kreis gilt es zu durchbrechen. Die entsprechende Rolle der Politik dabei wurde von allen Anwesenden durchaus unterschiedlich gesehen. Wie viel Verantwortung für Veränderung kann man Politikern zumuten?

Ganz konkret wurde diskutiert, inwieweit eine gewisse Datenhoheit gewährleistet werden kann und wie mit Plattformen zusammengearbeitet werden kann, damit das Internet keinen rechtsfreien Raum darstellt oder diesen Anschein erweckt. Um Bürgern zu ermöglichen, mündig online zu agieren, müsse das Thema Digitalisierung schnellst möglich in die Schulen. Im Endeffekt auch, um dem Fachkräftemangel im IT Bereich entgegenzuwirken. Bereits vorhandenen Fachkräften und Gründern dürfe das Leben und die Projekt-Arbeit für verschiedene Firmen nicht durch restriktive Arbeitsmarkt-Gesetze und Versicherungs-Zwänge schwer gemacht werden. Gleichzeitig solle die Gründungs- und Innovationskraft gefördert werden sowie Investitionen in Zukunftsthemen und Zukunftstechnologien einfacher möglich sein. Ein interessanter Gedanke war auch die Idee eines Datenrechts im Vergleich zum Datenschutz. Diese zielt wiederum auf die Mündigkeit des Bürgers und Nutzers ab, im Gegensatz zu dem aktuellen Verbraucherschutz-Ansatz auf EU-Ebene.

Einigkeit herrschte wieder bei der Erkenntnis, dass sich Digitalisierung und Globalisierung weder voneinander trennen noch zurückdrehen lassen. Die ordentliche Umsetzung digitaler Möglichkeiten ist zwar enorm wichtig für den Standort Bayern bzw. Deutschland. Hier macht auch eine Konkurrenz zwischen den Bundesländern keinen Sinn. Am Ende muss sich Deutschland aber gegenüber den globalen Innovationsplätzen positionieren. Das sind eben vor allem die USA, Asien und der mittlere Osten. Aber auch einige afrikanische Staaten digitalisieren gerade auf der Überholspur. Die mahnenden Worte des ehemaligen Wissenschaftsministers Wolfgang Heubisch an unserem Tisch, er wolle nicht immer mit Politikern über den Status Quo reden, sondern über die Zukunft, sind also durchaus angebracht.

Die Grundlagen für eine umfangreiche Digitale Kultur müssen jetzt geschaffen werden! Wird das Thema weiterhin vernachlässigt und nur durch kleine Korrekturen und Insel-Lösungen auf der politischen Agenda gehalten, drohen uns massive Probleme in der Zukunft. Die Politik kann zwar nicht alle Facetten der Digitalen Transformation alleine bestreiten. Hier sind auch Unternehmer und jeder einzelne Bürger gefragt. Doch schon der Teilnehmer-Kreis unserer Veranstaltung, wo es nicht darum geht sich selber als Super-Politiker auf der Bühne darzustellen, sondern sich einmal die tatsächlichen Sorgen und Herausforderungen der Bürger mit dem Thema Digitalisierung anzuhören und Ideen auszutauschen, zeigt, dass in Sachen Digitale Transformation noch viele Defizite zu meistern sind.

Wir, Andreas Keck und ich, bleiben jedenfalls dran und werden auch im Jahr 2018 wieder ein b2g digital organisieren. Das Format und die direkte Auseinandersetzung mit Themen, die in unserem Land gerade nicht so gut laufen, mag dem ein oder anderen Politiker unangenehm sein. Auch an den Gegenwind von Seiten des ein oder anderen etablierten Verbandes haben wir uns gewöhnt. Aber sich Probleme einzugestehen, damit auseinanderzusetzen und gemeinsam an Lösungen zu arbeiten, ist der einzige Weg, der für alle Seiten funktioniert. Kooperation ist der Schlüssel zu einer erfolgreichen Digitalen Transformation unserer Gesellschaft. Und es darf nicht vom Status oder Geldbeutel eines Bürgers abhängen, ob sich ein Politik-Vertreter die Zeit nimmt, seine Sorgen und Ideen anzuhören.

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