10 Tage im Silicon Valley – Erste Erkenntnisse

Wer mir auf Twitter folgt, hat es schon bemerkt: Ich habe das kalt verschneite Berlin mit seiner hysterischen Diskussion um Fake News und politisch motivierte Bots Anfang des Monats verlassen und mich aufgemacht ins gelobte Land der Digitalisierung. Für alle, die sich die Frage stellen, was eine Bloggerin da so anstellt: Wenn ich nicht gerade schreibe, studiere ich Informatik und berate und unterstütze Mittelständler bei der Digitalen Transformation, vor allem mit einem Fokus auf Metadaten, also (Marketing) Daten Strategien, Datenschutz und IT-Sicherheit. Nächste Woche findet hier in San Francisco nicht nur die Developer Week statt, sondern mit der RSA Conference auch das wohl größte Networking-Event für IT Security Spezialisten. Diese Woche ging es aber erst einmal zu kleineren Meetups und auf die Cleantech Week, wo Startups aus aller Welt ihre Konzepte für saubere Zukunfts-Technologien vorstellten.

Nachdem ich mich in meinem ersten Studium der Politikwissenschaft gewidmet habe, interessieren mich neben den technischen Aspekten auch immer die sozialen Seiten. Das ist auf Reisen generell schon eine spannende Sache, hier aber ganz besonders. Wir bekommen in Deutschland eine ganze Menge Kram über das Silicon Valley erzählt, ohne diese zu hinterfragen. Erste Erkenntnis: Hier wird auch nur mit Wasser gekocht – aber eben anders! 

Yellow road sign with a blue sky and white clouds: silicon valle
Bild: Argus, Adobe Stock

Klischees

Gerade in Bezug auf die Digitale Transformation neigen sogenannte „Experten“ dazu, einfach mal alles in einen Topf zu werfen, kräftig umzurühren und daraus dann entweder abzuleiten, dass etablierte Unternehmen jetzt sofort auf Teufel komm raus alle Prozesse digitalisieren sollen oder eben dies bloß nicht tun sollten. Ich denke, es ist hilfreich, sich klar zu machen, dass wir mit Blick auf das Silicon Valley von einer über Jahrzehnte gewachsenen Region sprechen, angesiedelt in einem einzigen Bundesstaat der USA. Wir befinden uns hier in einem anderen Land, mit anderer Historie und einem anderen Sozialsystem. Gerade Deutsche neigen häufig dazu, mit einer Blaupause im Kopf durch die Welt zu reisen und sich dann zu wundern, dass woanders alles anders ist. Nö, ist es nicht. Für die Menschen hier ist alles total normal, mit den gleichen Vor- und Nachteilen, die wir Zuhause auch jeden Tag wahrnehmen. Macht man sich diese Grundlagen klar, fällt es einem leichter, die tatsächlichen Gemeinsamkeiten und Unterschiede in Bezug auf die Förderung neuer Technologien zu finden.

Politik

Ja, es gab im letzten Jahr eine Präsidentschaftswahl. Ja, dadurch hat sich im weißen Haus einiges geändert. Ja, natürlich ist das ein Thema bei jedem Gespräch, das auch nur ein bisschen in die politische Richtung geht. Allerdings habe ich das Gefühl (nicht postfaktisch, sondern gewonnen durch zuhören und beobachten), dass meine Gesprächspartner hier die Situation viel unaufgeregter betrachten. Beispiel Clean Tech: Wer nicht an den Klimawandel glaubt, wird sich aber für grüne Technologien interessieren, wenn er von den Vorteilen für die Umwelt und nicht zuletzt den enormen finanziellen Ersparnissen hört, die durch den Einsatz neuer innovativer Technologien erzielt werden können. Gerade in diesem Bereich gehen die Blicke übrigens nach Deutschland, weil man uns für unsere effiziente Energiewende bewundert. Vielleicht sollten wir uns auch ein bisschen mehr auf die Vorgänge in unserem Land konzentrieren, bevor auf einmal eine Wahl ins Haus steht und alle von deren Ausgang überrascht werden.

Weiterlesen: Digitalisierung: Politik & Wirtschaft in der Pflicht

Mentalität

Ein entscheidender Unterschied in der Kommunikation hier ist für mich, dass sich Gesprächspartner zumindest interessiert zeigen und positiv reagieren, wenn man ihnen vom eigenen Business erzählt. Und nicht fast schon drei Schritte zurückgehen, weil man ja vorher nur 5 Jahre Arbeitserfahrung gesammelt hat, um einen dann zu fragen „ob man keine anderen Hobbies hat“ (so passiert auf einer Veranstaltung zur Digitalen Transformation im letzten Jahr in Berlin). Das gilt übrigens für alle Zielgruppen. Ich habe mich in den letzten Tagen mit Obdachlosen, Mitreisenden, Mittelständlern, anderen Gründern und Investoren unterhalten – ganz nach meinem bewährten Maulwurf-Prinzip. Natürlich bin ich nicht so naiv zu glauben, alle Gesprächspartner, die hier meine Visitenkarte mitnehmen, würden automatisch meine Kunden oder mich geschäftlich irgendwie weiterbringen. Aber Networking scheint hier normaler zu sein und meine generelle Laune hat sich – trotz anhaltenden Regens in der letzten Woche – ganz drastisch verbessert. Ganz zu schweigen von der Motivation, die ich aus den vielen tollen Gesprächen schöpfe.

Gründergeist und der Mittelstand

Zuhause begegnen sie einem hin und wieder, hier habe ich noch keinen einzigen Gründer getroffen, der eine Business Idee primär für mittelständische Unternehmen entwickelt hat. Alle sind auch der Suche nach der interessanten Lösung, um die großen Konzerne zur Zusammenarbeit zu bewegen – damit das eigene Startup wachsen und skalieren kann. Auf der anderen Seite hat auch niemand etwas dagegen, dass Mittelständler die einmal entwickelte Technologie oder Software nutzen. Allerdings fehlt es hier häufig an der Kommunikation. Unternehmen müssen sich selber umschauen, recherchieren und am Ball bleiben und bei Interesse einfach mal einen Gründer anschreiben, wenn dessen Arbeit für sie interessant ist. Die Wahrscheinlichkeit, dass er auf Sie zukommt ist gering. Die Wahrscheinlichkeit, dass er seine vorhandene Arbeit mit einigen kleinen Modifikationen auch zu einem wertvollen Tool für Ihr Unternehmen umbauen kann, ist dagegen groß. Für Mittelständler bedeutet das wie im gesamten Umfeld der Digitalen Transformation: Einfach mal machen & fragen kost‘ ja nix!

Weiterlesen: Don’t let the little local shops die!

Digital Skills

Mein erstes Meeting nach meiner Ankunft hatte ich im Impact Hub San Francisco. Genauso wie in anderen Impact Hubs auf der ganzen Welt, arbeiten hier Startups, die im weitesten Sinne einen positiven Einfluss auf unsere Gesellschaft haben. MyTurn.com bietet eine Plattform an, mit der Büchereien und andere Verleiher, aber auch NGOs und IT Abteilungen, einen Überblick über ihren Besitz behalten. Im Gespräch mit dem Gründer habe ich gelernt, dass es in Sachen Digital Skills in den USA nicht unbedingt besser aussieht als bei uns. Aber: Es besteht eine generelle Bereitschaft in den Chefetagen dies zu ändern und mehr digitale Tools einzusetzen, um alltägliche Probleme zu lösen. Und das sowohl bei großen Konzernen, als auch bei kleinen und mittelständischen Unternehmen. Die Diskussion über Roboter, die uns Menschen die Arbeitsplätze wegnehmen, ist mir hier noch nicht begegnet und wird ja von Menschen, die in der Tech Szene arbeiten, sowieso eher belächelt. Aber darüber habe ich ja hier schon geschrieben:

Weiterlesen: BLOGPARADE #Digitalisierung: Was passiert da gerade eigentlich?

Kapital

„We can raise the money. Money is never the problem. Finding the right partner(s) is important.“, lautet eins der Zitate der letzten Tage, das ich mir gleich mitgeschrieben habe. Deutsche Gründer sollten jetzt ein Taschentuch zücken. Ich erinnere mich selber noch zu gut an meine 3 Monate Kampf mit der Arbeitsagentur um den Gründungszuschuss und die ganzen Förderungen und Coachings, die ich nicht in Anspruch nehmen konnte, weil ich ja ein digitales Geschäftsmodell habe und nicht einmal ein Büro mieten geschweige denn Maschinen kaufen wollte. Während die, die es dann irgendwann geschafft haben, sich bei einem Bierchen über die lächerlichen Fördersummen in Deutschland lustig machen und die, die selbst die nicht bekommen haben, ihren Traum vom eigenen Welt verändernden Business aufgeben mussten, ist „Money“ hier also kein Problem. Man fragt sich unweigerlich „Ja, was denn dann?“ Die Kurzfassung: Risk Management, Vertragsmanagement und Compliance seien extrem wichtig. Der Investor (nicht die Presse) muss die Story und den Background des Gründers mögen und ihn auch unterstützen wollen, wenn es mal nicht so gut läuft – Stichwort: Right Partners. Gerade in so einem Fall, sollten dann aber auch alle Unterlagen und Zahlen stimmen.

Scheitern

Mehrfach betont wurde auch, dass die richtige Zeit für eine Idee gekommen sein muss. Dieser Fakt habe schon viele großartige Startups mit bahnbrechenden Innovationen untergehen lassen. Allerdings sind hier Gründer keine gescheiterten Existenzen, wenn etwas mal nicht klappt. Vielmehr wird mit Anerkennung über die Erfahrungen vergangener Projekte gesprochen. Selbst Investment Profis plaudern lässig darüber, dass sie auch schon mal gefeuert wurden. Scheitern ist also kein Existenz gefährdender Akt, sondern Teil des Ganzen. Das einzig wichtige: Weitermachen!

Der Beitrag hat Ihnen gefallen und Sie möchten am Thema dranbleiben? Jetzt den Digitalisierung jetzt! Newsletter abonnieren oder die Facebook-Seite liken!

 

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s