Trends 2017 – für den Mittelstand

Mit großen Augen und Ohren nehme ich jeden Tag die neuesten Ideen und Tech Trends aus den Innovationszentren dieser Welt wahr. Es ist unglaublich, wie viel sich da tut und wie viele Menschen an neuen Lösungen für unsere täglichen Probleme arbeiten. Doch ein Tool kann noch so hilfreich sein – bis es in einem mittelständischen Unternehmen ankommt und eingesetzt werden kann, ist es ein langer weg. Zusammen mit Lars Heymeier von Sentinel, nehme ich hier einmal die Trends unter die Lupe, die Mittelständler in diesem Jahr im IT-Bereich umsetzen können… und sollten. Denn nichts ist tödlicher, als eine veraltete Infrastruktur! Happy New Year!

 

TRENDS 2017
Bild: adiruch na chiangmai, Fotolia

 

Software as a Service (SaaS)

Was für Privatnutzer und Startups ganz normal ist, lässt sich noch lange nicht mit jeder Unternehmens-Infrastruktur vereinen: Software im Abo, die auf fremden Servern läuft. Das wohl bekannteste Angebot dieser Art hat Microsoft mit Office 365 geschaffen. Word, Excel, Powerpoint usw. lassen sich als App auf Smartphones, Tablets und PCs herunterladen, die Nutzung wird monatlich oder jährlich abgerechnet. Wir erinnern uns: früher kaufte man Lizenz-Keys auf der Rückseite einer CD-Rom.

Natürlich beruht das Abo-Modell nicht rein auf einem Entgegenkommen der Software-Industrie. Die Anbieter behalten die Hoheit über Funktionen und Nutzerdaten. Wer nicht mehr zahlt, kann die Anwendungen nicht mehr oder nur noch eingeschränkt nutzen.

Was kann SaaS?

Abgesehen davon, dass das Abo-Modell die Zurückstellung größerer Budgets für neue Software der Vergangenheit angehören lässt, sind die meisten SaaS-Anwendungen auf die Förderung der Zusammenarbeit – der Ermöglichung des Co-working innerhalb eines Unternehmens ausgelegt. So können Mitarbeiter in etablierten Unternehmen ebenfalls so arbeiten wie es viele Startups schon lange tun – von überall, über den eigenen Login bzw. die App auf einem beliebigen Gerät.

Und was sind die Nachteile?

Für viele SaaS-Produkte bedarf es einer zeitgemäßen IT-Infrastruktur im Hintergrund, um alle Funktionen nutzen und die Anwendungen an den Bedarf des jeweiligen Unternehmens anpassen zu können. Hier hinken viele Mittelständler mit ihren Netzwerken und Servern noch sehr hinterher. Gerade kleinere Anbieter und Startups tun sich zudem noch schwer, Administratoren hilfreiche Dashboards für die Betreuung mehrerer Accounts zur Verfügung zu stellen. Das Lizenz-Management wird also vorerst nicht einfacher.

Je nach Arbeitsbereich – etwa bei SaaS-Anwendungen für das Personalmanagement – sind zudem Datenschutz-Vorgaben sowie die 2018 in Kraft tretenden Neuerungen der Europäischen Datenschutz-Grundverordnung zu beachten. Und wer sensible Zuliefer- und Abnehmer-Kundendaten in einer SaaS-Lösung verwalten möchte, sollte hier ebenfalls vorher rechtlichen Rat einholen sowie mit den betroffenen Geschäftspartnern sprechen.

Warum sollten mittelständische Unternehmen das Thema 2017 angehen?

Für Mittelständler lohnt es sich, SaaS möglichst zeitnah mit Anwendungen zu testen, die keinen direkten Einfluss auf Geschäftsabläufe haben und wenige rechtliche Stolpersteine beinhalten. So können sich nicht nur die Mitarbeiter mit der neuen Art zu arbeiten vertraut machen und die Apps ausgiebig testen. Auch die IT-Abteilung bzw. der zuständige externe Dienstleister erhält die Möglichkeiten, Schwachstellen und Inkompatibilitäten in der bestehenden IT-Infrastruktur des Unternehmens aufzuspüren. Ein besonders Augenmerk liegt hierbei auf dem Netzwerk sowie den eingesetzten Servern. Diese Erfahrungen können dann wiederum bei der Umstellung sensibler Geschäftsprozesse genutzt werden.

Lars Heymeier über SaaS:

„SaaS Lösungen sind oft die günstigere und flexiblere Alternative zu integrierten Systemen, allerdings muss bei SaaS-Lösungen zumindest in 2017 noch auf viele Vorteile integrierter Systeme verzichtet werden. Den meisten SaaS Lösungen fehlen wichtige Integrationsmöglichkeiten, wodurch sie in sich geschlossene Systeme bilden, die sich schwer in vorhandene IT-gestützte Prozesse integrieren lassen. Auch fehlende Integrationsmöglichkeiten in im Unternehmen vorhandene Authentifizierungs- und Sicherheitssysteme erhöhen den Aufwand bei der Verwaltung und Administration. Letztendlich besteht das Risiko, durch viele einzelne Systeme die zunächst gedachte Flexibilität zu verlieren und dadurch deutliche Mehraufwände bei der Nutzung und dem Management zu erzeugen. Aber auch hier gibt es Fortschritte, so bringt zum Beispiel die Plattform „Zapier“ https://zapier.com immer mehr SaaS-Services zusammen.“

Cloud

Auch in diesem Jahr wird uns die Diskussion um „Cloud oder lieber nicht Cloud“ begleiten. Die Angst vor dem externen Speichern eigener Daten ist immer noch groß. Auch, weil vielen Führungskräften nicht klar ist, wie schlecht gesichert der eigene Server neben der Kaffeeküche wirklich ist. Vielen vermittelt es ein wohliges Gefühl von Sicherheit, wenn man ihn hin und wieder besuchen kann und blinken sieht. Cloud-Anbieter werden also noch einiges an Überzeugungsarbeit leisten müssen, um die Mehrheit des deutschen Mittelstands zu erreichen. Um zumindest die Datenschutz-Bedenken auszuräumen, werden immer häufiger Cloud-Lösungen angepriesen, bei denen Deutschland als Server-Standort garantiert ist.

Was kann die Cloud?

Grundsätzlich sind Cloud-Lösungen eine super Sache, weil sie auch kleinen Unternehmen ermöglicht, den Speicherbedarf flexibel anzupassen – ohne gleich in riesiges Hardware-Projekt daraus zu machen. Im Gegensatz zu den meisten einfachen Server ist der ordentlich eingerichtete Cloud-Server auch von überall her jederzeit verfügbar. Auch reisende Mitarbeiter haben also Zugriff auf alle Daten und müssen nicht erst ins Büro zurückkehren, um die Büro-Arbeit zu erledigen.

Und was sind die Nachteile?

Für viele Unternehmen stellen nicht nur die Datenschutz-Frage, sondern auch die Konnektivität ein Hindernis dar. Solange es in Deutschland keine angemessenen verfügbaren Internetverbindungen gibt – auch außerhalb der Ballungsgebiete, an den Industrie-Standorten – sind einige Mittelständler alleine deshalb schon von der produktiven Nutzung einer eigenen Cloud weit entfernt. In Bezug auf die eigene IT-Infrastruktur gilt meist dasselbe wie bei SaaS: Häufig ist hier ein Update nötig. Wirklich innovative Cloud-Konzepte enstehen daher momentan vor allem in Bereichen, die sowieso schon online arbeiten – Design, E-Commerce, Entertainment.

Warum sollten mittelständische Unternehmen das Thema 2017 angehen?

Alleine schon aus der Kosten-Nutzen-Perspektive ist die Cloud für Mittelständler eine spannende Sache. Richtig umgesetzt, lassen sich Kosten für Speicherplatz und Wartung einsparen und hochverfügbare Systeme nutzen, die man alleine gar nicht aufbauen könnte.

Lars Heymeier über Cloud-Lösungen:

„Für den Mittelstand sind Cloud-Services deutlich interessanter geworden. Insbesondere IaaS Anbieter (Infrastructure as a Service) sind attraktiv und eigenen sich dazu, aktuelle Server- und Speicher-Systeme in flexible Cloud-Ressourcen zu wandeln. Dadurch werden nicht nur hohe Investitionskosten vermieden, sondern auch der Standard in Bezug auf Sicherheit, Desaster-Recovery-Optionen oder Skalierbarkeit erhöht. Aufgrund oft vorhandener Kompatibilitäten der IaaS Anbieter zu im Mittelstand genutzten Systemen (zum Beispiel zu VMware, oder Microsoft Hyper-V), ist IaaS als erster, unkomplizierter Einstieg in Cloud-Services für mittelständische Unternehmen gut geeignet. Flexible Abrechnungsmodelle sorgen zudem für finanzielle Sicherheit, schließlich zahlen Sie nur für tatsächlich genutzte Ressourcen.“

Zum weiterlesen: Cloud: Welche Business Lösung passt zu Ihnen?

Kleinere Speicherchips & neue Hardware

Schwer überfinanzierte Kickstarter-Projekte, wie der Onion 2 (Testbericht folgt), und Forschungs-Updates der Global Player der Internet-Szene zeigen, wie sehr Techies aktuell nach neuer, kleiner, günstiger Hardware gieren. IBM hat für 2017 einen neuen Power Chip angekündigt, der den tatsächlich benötigten Platz für Datenspeicher noch einmal minimiert und damit dem Thema Machine Learning einen Schubs in Richtung Mainstream bzw. Mittelstand versetzen kann. Auch der 3D-Druck wird in unmittelbarer Zeit die Art und Weise, wie Hardware gestaltet wird, verändern.

Wieso braucht mein mittelständisches Unternehmen regelmäßig neue Hardware?

Vielleicht können Sie heute noch nicht von den oben genannten Möglichkeiten profitieren. Sie sollten aber zumindest darauf achten, dass nicht nur die Software- sondern auch die Hardware-Umgebung Ihres Unternehmens nur in einem angemessenen Rahmen hinter dem aktuellen Stand hinterher hinkt. Ansonsten laufen Sie auch hier Gefahr, irgendwann komplett abgehängt zu werden.

Welche Vorteile bringen zeitgemäße Geräte?

Erinnern Sie sich noch, was passierte, wenn man einen alten Computer Bildschirm gefilmt hat? Richtig, die Kisten haben geflimmert ohne Ende. Erstaunlich, dass solche Bildschirme in vielen Unternehmen immer noch im Einsatz sind. Welch eine Zumutung für die Mitarbeiter, die den ganzen Tag davor sitzen müssen! Durch die Anschaffung zeitgemäßer Hardware werden Sie solche Schätzchen ein für alle mal los. Abgesehen von den unsichtbaren technischen Neuerungen unter der Haube, hat sich auch in Sachen Ergonomie in den letzten 20 Jahren im Hardware-Bereich einiges getan. Immer mit dem Ziel, Produktivität und Effizienz des Nutzers zu steigern. Das könnte ja auch für Ihr Unternehmen interessant sein.

Und was sind die Nachteile?

Anders als bei Software, kommt man beim Thema Hardware um den Budget-Faktor kaum herum. Hier sind zwei Dinge wichtig, um die Kosten möglichst gering zu halten: Clever planen und gut recherchieren und verhandeln. Wenn Ihr IT-Administrator genau weiß, welche Geräte in welcher Zahl und welchem Zeitraum benötigt werden, können Sie ganz anders auf Händler und Kommunikations-Anbieter zugehen, als ohne Strategie. Außerdem lohnt es sich auch für Unternehmen, Technik-Angebote abzuwarten und Online- mit Offline-Preisen zu vergleichen.

Lars Heymeier über Hardware-Angebote für den Mittelstand:

„Dem Thema Endgeräte lässt sich in 2017 mit mehreren Ansätzen entgegnen. Das klassische Modell für Mittelständler ist sicher, mit einer angemessenen Turnus-Planung bis zu ein Drittel der Endgeräte pro Jahr auszutauschen. Insbesondere bei Notebooks sind maximal 4 Jahre Laufzeit zum Empfehlen. Achten Sie bei der Beschaffung auf den Einsatz von Business-Hardware, bei der die Möglichkeit besteht, 3 oder 4 Jahre vor Ort-Service durch den Hersteller zu buchen. Die Systeme fallen dann meist deutlich seltener aus, als vergleichbare Consumer-Ware. Andere Lösungsansätze entstehen derzeit auf Basis von VDI-Lösungen (Virtual Desktop Infrastructure) mithilfe derer die Laufzeiten von Endgeräten verlängert werden und neu beschaffte Endgeräte auf Minimal-Funktionen (und Kosten) reduziert werden. Durch VDI-Lösungen entsteht auch die Möglichkeit gegebenenfalls für kleine Unternehmen sehr attraktive BYOD-Lösungen umzusetzen und den Mitarbeitern die Möglichkeit zu geben das private Tablet oder Notebook einzusetzen – ohne die Unternehmensdaten zu gefährden.“

Die genannten Punkte sind für Ihr Unternehmen schon ein alter Hut? Dann finden Sie auf der Seite von t3n vielleicht noch ein paar neue Herausforderungen und gute Vorsätze. In jedem Fall: Viel Erfolg bei der Umsetzung!

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