Digitales Geschäftsmodell oder Digitale Transformation – was ist eigentlich der Unterschied?

Sie werden es vermuten – meine Newsfeeds quellen über vor Informationen und Einladungen zum Thema Digitale Transformation. Manches, was sich dort findet, ist ganz interessant. Anderes lässt einen nur den Kopf schütteln… Da werden Buzzwords und prominente Redner zusammengekippt, um Reichweite und Besucherzahlen zu erreichen. Gerade für Führungskräfte mit wenig Zeit ist es aber wichtig, hilfreiche und passende Impulse zu bekommen, die Ihnen und Ihrem Unternehmen weiterhelfen. Dazu sollte jedem Manager zunächst bewusst sein, wo die Reise hingehen soll: Digitales Geschäftsmodell oder Digitale Transformation?

 

Alter Trott oder Neuer Weg
Bild: bluedesign, Fotolia

 

Für etablierte Unternehmen gibt es mehrere Möglichkeiten, sich dem Thema Digitalisierung anzunehmen. Eine, die momentan noch viel zu häufig genutzt wird, besteht darin, sich einen Ableger mit digitalem Geschäftsmodell anzuschaffen, wie in diesem Beispiel. Hierzu zählt die Gründung eines eigenen Start-up Inkubators, gerne in Verbindung mit Eröffnung eines Co-working Space mit Namen „Hub“ oder „Lab“. Auch  beliebt: die Übernahme oder Beteiligung an einem bereits bestehenden Inkubator oder direkte Beteiligung an einem Start-up mit digitalem Geschäftsmodell. Hier hat es nie analoge Zeiten gegeben, alle arbeiten von Beginn an digital und gestalten ihre Arbeitsumgebung weitestgehend flexibel. Es spricht nichts gegen solche Projekte und die Zusammenarbeit mit jungen engagierten Menschen kann auf eingeschlafene Strukturen wie ein Jungbrunnen wirken… Wenn denn die Akzeptanz für diese völlig andere Kultur auf Seite des etablierten Unternehmens da ist!

Das Thema „Überleben in der digitalen Zukunft sicherstellen“ ist mit einer solchen Aktion aber noch lange nicht beendet. Ein großer Teil des Digitalisierungs-Prozesses wurde außer Acht gelassen: Das eigene Management und die eigenen Mitarbeiter müssen mit technischen Entwicklungen mithalten sowie sie anwenden können – Thema: Weiterbildung #lifelonglearning – und auch die eigenen Systeme brauchen ein Update!

Hier kommt die Digitale Transformation ins Spiel. Dabei geht es darum, Schritt für Schritt eine digitale Kultur im Unternehmen zu etablieren. Fähigkeiten – auch die der Führungsebene – Systeme und Prozesse (alle!) kommen auf den Prüfstand. Getrieben wird das Ganze von einem Willen zur Veränderung. Und nein, da ruft kein Kunde vorher an und sagt „Ich hätte gerne, dass Ihr Unternehmen digitaler wird.“ Es wird auch größtenteils kein Wohlfühl-Projekt, sondern harte (Zusatz-)Arbeit für alle Beteiligten.

Meine Kunden beginnen diese Reise meist mit einer Veränderung im Bereich Marketing. Hier ist das Kosten-Nutzen-Verhältnis für viele Führungskräfte am einfachsten nachvollziehbar. Außerdem gibt es schon einige Vorreiter, die trotz alten Geschäftsmodells neue Wege und Kanäle ausprobieren. Schwieriger wird es, wenn die gesamte IT-Infrastruktur inklusive der Arbeits- und System-Prozesse auf den Prüfstand soll. Da ist schnell der Punkt erreicht, an dem es (erstmal) heißt „Wieso, das haben wir schon immer so gemacht und das hat schon immer so funktioniert.“ Und an diesem Punkt ist man häufig schneller, als den meisten Verantwortlichen lieb ist.

Doch warum ist für etablierte Unternehmen so anstrengend, was bei den Startups so einfach aussieht? 

Der wohl wichtigste Punkt: Startups verfügen weder über eine Firmen-Historie noch über entsprechende Altlasten in Form von Daten und Prozessen. Ziehen Sie sich einmal die Compliance- und Regulierungs-Brille an und betrachten Sie die Startup-Branche noch einmal genauer: Da wird mit kleinen Teams und unter großem persönlichen Einsatz ein Unternehmen aufgebaut, dessen Geschäftsmodell bestehen und skalieren kann, bevor das komplette Konstrukt an einen Investor verkauft wird. Meist gilt also von Anfang an eine klare Exit-Strategie – für das Gründer-Team bedeutet das häufig „Nach uns die Sintflut!“ Arbeitszeitgesetz, Langfrist-Planungen, Compliance-Standards,… Alles, was nicht für den direkten Erfolg des Geschäftsmodells wichtig ist, ist erst einmal zweitrangig.

Etablierte Unternehmen unterliegen – auch durch ihre historisch gewachsenen Strukturen und die weit verzweigten Anforderungen, die Lieferanten, Mitarbeiter und Abnehmer an sie stellen, weitaus komplexeren Regulierungs-Strukturen, die weitreichenden Einfluss auf persönliche Befugnisse einzelner Manager sowie kleinste Prozesse haben. Hier liegen auch häufig die Risiken bzw. Reibungspunkte bei der Zusammenarbeit mit Startups. Ganz zu schweigen von Inkompatibilitäten auf technischer Ebene, wie Prof. Stark vom Fraunhofer Institut im Interview beschreibt…

Bei den meisten Rednern, die mit dem Thema auf die Bühne gehen, würde jetzt irgendwann das Wort „Disruption“ fallen. Dieses Angst-Wort lässt manche von Ihnen kurz aufhorchen, um dann festzustellen, dass Ihr Geschäftsmodell ja (noch) so gut läuft, dass sie es sowieso nicht komplett überwerfen möchten. Damit wäre das Thema Digitale Transformation dann erst einmal wieder für Sie gestorben… übrigens einer der Gründe, warum ich meine Vorträge bewusst frei von Buzzwords halte.

Ich denke, wir sind uns einig, wenn ich festhalte: Bei den meisten etablierten Unternehmen besteht kein Bedarf für eine absolute Disruption. Doch digitaler müssen alle werden. Nicht nur unsere Unternehmen, sondern auch unsere Gesellschaft. Wenn wir unseren Status in einer nicht nur globalisierten sondern auch zunehmend digitalisierten Welt halten wollen, wird es allerhöchste Eisenbahn für erste Schritte…

Wie auch immer Sie Ihr Unternehmen in die digitale Zukunft führen, bitte fangen Sie jetzt damit an!

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