Metadaten verstehen – die Aufklärung unserer Zeit

„Aufklärung ist der Ausgang des Menschen aus seiner selbstverschuldeten Unmündigkeit. Unmündigkeit ist das Unvermögen sich seines Verstandes ohne Leitung eines anderen zu bedienen. Selbstverschuldet ist diese Unmündigkeit, wenn die Ursache derselben nicht am Mangel des Verstandes, sondern der Entschließung und des Mutes liegt, sich seiner ohne Leitung eines anderen zu bedienen.“ Der Mann, von dem dieses Zitat stammt, ist im Jahr 1804 gestorben. Da war die Welt von der Digitalisierung noch weit entfernt. Trotzdem sind Immanuel Kants Worte heute aktueller als je zuvor. Sie sind ein Aufruf an die Menschheit, sich nicht nur oberflächlich mit den Gegebenheiten und Vorgängen der eigenen Zeit auseinander zu setzen. In unserer heutigen Zeit gilt das vor allem für eins: Daten.

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Bild: alphaspirit, Fotolia

 

Und damit meine ich nicht die aktuelle Diskussion zu Chinas Internet, der Regulierung von Geheimdiensten und Datenschutz a lá WhatsApp, Facebook, Google. Ich meine die Diskussion, die wir bisher noch nicht führen: Verstehen wir überhaupt, welche Meta-Daten wir in der digitalen Welt hinterlassen, wer ein Interesse daran hat, diese zu manipulieren und wie dies funktioniert?

Die meisten Menschen wären erschrocken, wenn sie wüssten, was man schon mit einfachen Recherche-Möglichkeiten und ein wenig Cleverness über sie herausfindet. Und da hat noch niemand den Aufwand betrieben, Analytics Tools oder spezielle Programme einzurichten. Davor schützt einen auch kein Datenschutz-Gesetz, dass sich nur sehr schwammig auf „dem Aufwand angemessenen“ Schutzmaßnahmen bezieht. In meiner Weiterbildung zum Datenschutzbeauftragten habe ich mich intensiv mit dem Thema beschäftigt und war schwer geschockt, wie wenig der Gesetzgeber einen Überblick über die technische Seite hat. Mal ganz abgesehen davon, dass diese nur ein Teil des Problems ist. Schon bei meinen ersten journalistischen Gehversuchen wurde mir erklärt, wie sich Informationen finden lassen zu Personen, die nicht aktiv daran arbeiten bei Google auf Seite 1 zu stehen. Und damals – vor 10 Jahren – waren wir von Datenjournalismus noch weit entfernt.

Wir können also davon ausgehen: Wenn jemand Informationen bekommen möchte, wird er sie auch bekommen. Es ist nur eine Frage der Zeit, der technischen Ausstattung und der jeweiligen Fähigkeiten – inklusive den Fähigkeiten, offline an Zusatzinformationen zu kommen, um einen besseren Überblick und spezifischere Muster zu erhalten. Mit der zunehmenden Verbreitung von – übrigens weitestgehend legalen – technischen Möglichkeiten zur Analyse von Daten, rückt der Zeitfaktor zudem immer mehr in den Hintergrund.

Die Herausforderung für jeden Einzelnen besteht also darin, sich bewusst zu machen, welche Daten über welche Kanäle aktiv und vor allem auch passiv kommuniziert werden. Und noch viel wichtiger: Wer ein Interesse daran hat, diese zu nutzen, um damit auf uns zurück zu kommen und uns zu manipulieren. Dabei ist „manipulieren“ nicht unbedingt als schlecht anzusehen. Schließlich empfinden wir manche Informationen, die uns über solche Wege erreichen – wie etwa gezielte Werbung – als etwas Positives.

Eine Übertragung der Aufklärungs-Idee auf unsere Zeit bedeutet also, sich manchmal einen Moment Ruhe für eine Denkpause zu gönnen, um nachzuvollziehen, über welche Datenströme wir Informationen zu unserer Person aussenden und wie diese zu uns zurückkommen. Ganz besonders wichtig ist dies mit Blick auf das Wahljahr 2017.
Nur wer versteht, wie er manipuliert werden soll und über welche Kanäle das der Fall sein könnte, versteht, wie wichtig es ist, Informationen und Angebote stetig zu hinterfragen. In unserer digitalen Welt geht das weit über Medienkompetenz hinaus. Unsere Aufklärung verdient den Namen: Datenkompetenz.

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