Sharing Economy – Teil 2: Wenn Kunden Mitschöpfer werden

Letzte Woche habe ich beschrieben, wie die Sharing Economy die klare Abgrenzung zwischen Kunden und Anbieter auflöste, seit Kunden in Community-basierten Plattformen eine aktive Rolle haben, indem sie ihre Dinge und Dienste anderen Einzelpersonen anbieten können. Diese immer wichtigere Rolle fügt sich dazu in einen umfassenderen Wandel ein. Heutzutage können Konsumenten oder  freie Entwickler an den Entscheidungsprozessen eines Unternehmens teilhaben, die Anschubfinanzierung eines Projekts unterstützen und daher dieses in Gang setzen oder den Arbeitsablauf einer Firma durch den Austausch von Open Source Programmen und viele andere Ressourcen erleichtern. Die Beispiele sind zu zahlreich, um sie alle zu analysieren.

Crowdfunding money jar image
Bild: lemontreeimages, Fotolia

Der Begriff «Prosumer» geistert schon seit Jahren in der Marketingwelt herum. Wie Susan  Gunelius in einem Forbes Artikel bereits beschrieb, ist der Umgang mit Kunden im Zeitalter des Internet viel bedeutsamer für manche Geschäfte geworden, da sie oftmals zu Verfechtern der Marke und der Produkte werden. Mittlerweile haben sie einen erheblichen Einfluss auf den Erfolg oder das Scheitern von Unternehmen, Produkten und Marken, vor allem durch Ihre Teilhabe auf Social Media-Plattformen.

In einer von PwC im Jahr 2014 durchgeführten Studie über die Sharing Economy sind aussagekräftige Einblicke verschiedener Fachleute veröffentlicht worden. Es wurde gezeigt, wie verschiedene Branchenspezialisten mit der Sharing Economy positiv umgehen, anstatt Angst vor einer Störung des Betriebsablaufes zu haben, indem sie Ihre Geschäftsmodelle auf das Konzept der Sharing Economy umstellten oder einige derer Komponenten integrierten.

Beleuchten wir beispielsweise die Erfahrung der Firma Citi Bike, ein privates Bike-Sharing Unternehmen mit 8000 Fahrrädern und 500 Stationen, verteilt über Manhattan, Queens, Brooklyn und Jersey City. Der Chief Bran Officer (CBO) bei Citi Bike, Dermot Boden, betont, wie die Citi Mobile Challenge, ein Treffen bei dem Entwickler aus der ganzen Welt eingeladen wurden um innovative Lösungen für die Citi Digital Plattform zu finden, zu einem großen Erfolg führte. „Es ist eine wirklich schlagkräftige Initiative. Durch diese Hackathons haben wir die Chance, Leute aus der ganzen Welt zu erreichen, die bedeutsame Ideen und Konzepte haben und tatsächlich vor Ort sehen können, ob und wie diese umsetzbar sind. Es ist gut für Sie und gut für uns.“

Einige Traditionsunternehmen fangen langsam an, sich mit der Co-Creation zu beschäftigen. DHL, das weltweit umsatzstärkste Logistikunternehmen, hat schon im  Rahmen tausender Workshops zusammen mit Kunden gearbeitet mit dem Ziel, Probleme ihrer Dienstleistung zu bewältigen und somit die Kundenzufriedenheit zu erhöhen. Ein durch diese Workshops entstandenes, sehr erfolgreiches Projekt, ist der Parcelcopter – einen Drohnen-Lieferservice, welcher ermöglicht, ein Paket innerhalb von acht Minuten zuzustellen.

Wenn ein Haufen Unbekannter Projekte finanziert

Crowdfunding bedeutet grundsätzlich die Finanzierung eines Projektes oder eines Unternehmens durch eine Vielzahl kleinerer Geldbeträge, die wiederum von einer großen Anzahl von Menschen kommt. Typischerweise findet der gesamte Prozess über das Internet statt.

Üblicherweise erstellten die Initiatoren auf Crowdfunding-Seiten ein Profil, welches die notwendigen Informationen zum Projekt in ansprechender Weise darstellt und die gewünschte Geldsumme anspricht, welche in einem bestimmten Zeitraum gesammelt werden muss. Oft ist ein kurzes Video enthalten und eine Liste der Belohnungen pro Spende. Das Ziel ist somit, eine überzeugende Botschaft zu erstellen, die die Aufmerksamkeit und das Vertrauen der anonymen Volksmenge erregt. Letztlich geht man davon aus, dass man die Unterstützung fremder Menschen nur bekommen wird wenn sie von der Idee völlig überzeugt sind. Ein bahnbrechender Fall der Crowdfunding-Erfolgsgeschichte ereignete sich in der Musikindustrie mit der britischen Rockband Marillion. 1997 konnten sie die Kosten  einer Tour  durch die Vereinigten Staaten übernehmen dank der Crowdfunding-Kampagne „Tour Fund“, die 60.000 $ einspielte.

Die Finanzierung eines Projektes durch Crowdfunding hat also einige Vorteile. Die Schöpfer einer Initiative erhalten eine umfangreiche Chance, eine einzigartige Gemeinschaft Gleichgesinnter zu erreichen, welche außerdem stark daran glauben, dass das Projekt gelingen sollte und dafür bereit sind, sich durch eine Spende oder kreativen Ideen dafür einzusetzen.

Dieses Massenfinanzierungsmodell hat es sogar bis in die Regierung geschafft. So haben einige Bezirke in Frankreich  diesen Schritt unternommen. Auf diese Weise startete 2012 die Region Auvergne mit dem Beistand der Crowdfunding-Plattform Ulule ein Programm zur Finanzierung von Projekten in diesem Wahlkreis. Durch über 900 Spender, was zu einer Summe von 50.000 Euro führte, sind mittlerweile zwölf Projekte umgesetzt worden.

Angst vor einer betrieblichen Störung? Geselle Dich zu Deinen Feind

Seien wir ehrlich, die Mehrheit der Unternehmen, über die wir gesprochen haben, wie zum Beispiel Citi Bike, hatten es einfacher als die Mehrheit der etablierten Unternehmen. Während das junge Unternehmen 2013 gegründet wurde als die Sharing Economy zunehmend wuchs, waren viele lang etablierte Unternehmen, vor allem in den Bereichen Unterkunft und Transport, durch eben diese Entwicklung geschwächt. Die Art und Weise, wie sich Startups wie Airbnb und Uber in dem Markt gesetzt haben, macht die unbestreitbare Bedeutung dieses Geschäftsmodells sichtbar. Diese Geschäfte haben sich eine Spitzenposition im Mark erobert, während traditionelle Hotels und Taxi-Genossenschaften Jahrzehnten benötigten, um einen ähnlichen Erfolg zu erzielen.

Der TEDx Barcelona Vortrag „Die Herausforderungen der Sharing Economy“ vertieft dieses Thema. Dort führt der Sharing Economy-Experte und Vertreter der Weltgemeinschaft OuiShare, Albert Cañigueral, bemerkenswerte Daten an: „Uber, das weltweit größten Taxiunternehmen, besitzt keine Autos; Airbnb, der weltweit größte Anbieter von Ferienunterkünften, besitzt keine Immobilien; Alibaba, der weltweit wertvollste Einzelhändler, besitzt keinen Bestand; und Facebook, die weltweit beliebteste Inhalt-Plattform, besitzt keinen Inhalt“. Dann zeigt eine vergleichende Tabelle weitere wichtige Daten: Während InterContinental, die weltweit wichtigste Hotel-Gruppe rund 650.000 Zimmer am Ende des Jahres 2014 besitzte, hatte Airbnb ungefähr die gleiche Anzahl von Zimmern in diesem Quartal. Der Unterschied: Das InterContinental benötigte 63 Jahre, um dieses Ziel zu erreichen. Dagegen benötigte Airbnb nur 6. Der Gründer von Airbnb, Brian Chesky, veranschaulichte diesen Umstand mit einem kurzen Tweet: „Marriott möchte dieses Jahr 30,000 Räume aufbauen. Wir werden das in den folgenden zwei Wochen machen.“

Die oben erwähnten Beispiele geben uns gute Argumente für die Behauptung, dass die Sharing Economy sich schnell verstärkt hat. Noch wichtiger ist es zu sagen, dass diese Tatsache zu ignorieren in einigen Branchen riskant sein könnte. Aber wie kann ein Digital Native seinen Opa auffordern, Technologie mit derselben Leichtigkeit zu verwenden, wie er es tun kann? Oder besser gesagt, wie kann sich ein alter Mensch dem digitalen Wandel anpassen? Obwohl aufwendig, heißt es wie üblich: sorgfältig beobachten, von anderen lernen und „learning by doing“.

Ein gutes Beispiel für ein bereits etabliertes Unternehmen, das sich gerade an diese Veränderungen anpasst, ist BMW mit seiner DriveNow Initiative. Der CEO von DriveNow, Richard Steinberg, stellte fest, dass die neuen Konsumgewohnheiten und Bedürfnisse von Millennials, wie die nach 1990 Geborenen auch genannt werden, mit maßgeschneiderten Produkten und Dienstleistungen berücksichtigt werden müssen. Digital Natives sind mit der Eigentumswirtschaft nicht so stark wie Ihre Eltern verbunden. Hingegen ziehen sie eine Wirtschaft des Zugangs, in welcher sie aufgewachsen sind, vor. Tatsächlich hat das Internet einen kostengünstigen Zugang zu allen möglichen Dingen gefördert, besonders in der Kultur – einschließlich Musik, Videospiele, Bücher, Filme und Informationen. Doch betonte Steinberg in dieser Studie, dass Digital Natives immer weniger Interesse daran haben, viel Geld für ein teures Auto auszugeben und dazu die entsprechenden Kosten, die der Besitz eines Autos mit sich bringt, zu übernehmen.

Unter Berücksichtigung diesen Wandels ist DriveNow erschaffen worden, dass ein Jointventure zwischen BMW und Sixt ist und welches Carsharing-Dienstleistungen in einigen europäischen Städten erbringt. „Wir waren Anbieter von Premium-Autos und jetzt sind wir Anbieter von Premium-Mobilitätsdienstleistungen sowie Premium-Fahrzeugen. Unser Board hat diese Mobilitätsdienstleistungen als einen Bereich wahrgenommen, wo wir uns engagieren sollten und daher wurde DriveNow geboren“ erwähnte Steinberg.

Positive Veränderungen in der Automobilindustrie

Zum Beispiel stellte Anfang 2010 Peugeot einen Mobilitätsmietservice bereit, der MU genannt wurde. Eine Mitgliedschaft gibt den Kunden einen Zugang zu anpassbaren Peugeot-Autos und anderen Fahrzeugen wie Roller, Fahrräder oder sogar Zubehör. Die Entwicklerin von MU Peogeot, Nadège Faul, erklärt in einem Artikel bei Fast Company, dass sie bei Peugeot überzeugt sind, Teil eines neuen Zeitalters der Autoherstellung zu sein: „Entweder wir kümmern uns und erkennen diesen neuen Markt oder wir verlieren möglicherweise diese Verbrauchergruppe endgültig“, sagte Faul.

Es wurde eingehend diskutiert wie die Sharing Economy genannt werden sollte, um Missverständnisse zu vermeiden: Kooperative Wirtschaft, Erfahrungs-Wirtschaft, Peer-to-Peer-Wirtschaft oder Zugangs-Wirtschaft, um nur einige Beispiele zu nennen. Sicherlich ist es wichtig, die verschiedenen Bedeutungen dieser Begriffe zu unterscheiden. Obwohl sie  alle die gängigen Kernideen wiedergeben, die eine Verschiebung des Konsums und der sozialen Gewohnheiten beinhalten. Und es scheint, dass diese Entwicklung weiter voranschreiten wird. Wie in der PwC Studie zusammengefasst „Egal wie Ihre Organisation heute aussieht, ist die Sharing Economy eine zu große Gelegenheit, um sie zu verpassen bzw. birgt es ein Unternehmensrisiko diese Entwicklung nicht zu beachten“.

Sara Shedden Casanovas ist Werkstudentin bei cdt consulting und beschäftigt sich seit einiger Zeit mit den Vorteilen der Sharing Economy. Sie ist Gründerin der Berliner Initiative Shyft, die Interessierte zusammenbringt, um über Zukunftsmodelle für unsere Gesellschaft zu diskutieren. Außerdem ist Sie als Jugendbotschafterin bei ONE aktiv. 

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One thought

  1. Wir setzen seit längerem auf die Ideen und Finanzierung durch unsere Kunden. Gerade im B2B Bereich, ist das eine tolle Möglichkeit Software schneller und besser auf die Kundenbedürfnisse anzupassen.Bisher kann man sagen, es lohnt sich. Die Software wird mit jedem Release besser, die Bestandskunden sind sehr zufrieden und da es auch „Ihre“ Plattform ist sind Sie auch sehr treu bei der Nutzung!

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