Investment Punk Gerald Hörhan über sein Online-Business als Zweitgeschäft

Er ist als Investment-Banker und Immobilien-Investor mit durchaus kritischen Ansichten bekannt und hat sich als Investment Punk einen Namen gemacht. Nun hat Gerald Hörhan in den letzten 2 Jahren mit der Investmentpunk Academy auch noch ein erfolgreiches Online-Business aufgebaut – und damit eine völlig neue Geschäftswelt kennen gelernt. Wie es dazu kam, was er gelernt hat und warum er immer noch zu Immobilien-Investments rät, erläutert er im Interview.

Electronic business concept
Bild: adam121, Fotolia

Immobilien-Investoren gehören nicht zu den ersten Ansprechpartnern, wenn es um Themen wie Technologie und Digitalisierung geht. Sie haben sich aber mit der Investment Punk Akademie quasi nebenbei ein erfolgreiches Online-Business aufgebaut. Wie ist es dazu gekommen?

2014 habe ich ein Seminar von Tony Robbins in Florida besucht, bei dem es unter anderem um Online-Plattformen ging. Dort wurde erklärt, wie man im Internet viel Geld verdienen kann. Dazu kam meine Überlegung, dass ich ein skalierbares Geschäftsmodell haben wollte, wo nicht das Zehnfache an Umsatz nur durch das Zehnfache an Kosten erreicht werden kann. Danach habe ich mich also hingesetzt und überlegt, was ich machen könnte.

So bin ich auf die Idee gekommen, mein Wissen zu den Themen Immobilien und Investment Banking zu digitalisieren. Da das Geschäftsfeld für mich komplett neu war, habe ich zuerst einen Social Media Manager eingestellt und mein Netzwerk aktiviert. Dadurch konnte ich in Berlin und im Silicon Valley Ansprechpartner von Google und Facebook sowie interessante Persönlichkeiten aus dem Venture Capital Bereich treffen. Von Vorteil war dabei sicherlich, dass ich mit „Investment Punk“ bereits eine etablierte Marke hatte. Auf diese Weise haben wir es geschafft, mittlerweile die führende Business-Weiterbildungs-Plattform im deutschen Raum zu sein.

Welche Auswirkungen hatte dieser Prozess auf Ihre Mitarbeiter und sehen Sie sich als digitale Führungspersönlichkeit?

Für die Investment Punk Academy haben wir völlig neue Teams aufgebaut. Das hat mit dem reinen Immobilien-Geschäft nichts zu tun. Ich sehe mich selber als Unternehmer, der aktuell die Technologie des Internets benutzt, um ein Business aufzubauen. Für mich geht es an erster Stelle darum, Umsatz zu machen und Geld zu verdienen statt einfach nur einen Startup Lifestyle zu leben.

Auf welche Digital Skills legen Sie mittlerweile Wert, die Ihnen früher vielleicht nicht so wichtig waren? 

Ich lege Wert auf Online-Auftritte. Wenn meine Mitarbeiterin zum Beispiel nach einem Handwerker sucht, dann bitte ich sie, darauf zu achten, wie sich dieser mit seinem Angebot und seinen Erfahrungen online darstellt. Ich besitze viele Immobilien in Städten, in denen nicht immer jemand vor Ort sein kann. Und eine gute Website und Auffindbarkeit bei Google finde ich wichtig. Aufträge bekommt der, der mit seinem Online-Auftritt überzeugt.

Was haben Sie in den letzten Jahren zum Thema Digitalisierung bewusst oder unbewusst dazu gelernt? Wo würden Sie Managern raten, sich aktiv weiterzubilden?

Man muss es erst einmal tun! Wenn die eigenen Kinder besser mit Facebook umgehen können als man selber, wie soll man dann Vertrauen in neue Technologien aufbauen? Ich selber habe auch erst einmal damit herumspielen müssen, um es zu verstehen. Mittlerweile profitiere ich von meinem angelernten Wissen und weiß, wie ich ein cooles und geiles Produkt anbieten kann.

Das Zweite: Das Internet ist ein sehr junges Geschäft. Ich treffe häufig Online-Unternehmer im Alter von Anfang 20, die sich mit wenig Startkapital etwas aufgebaut haben. Wenn ich einen Wettbewerb machen würde zwischen typischen Management-Beratern und diesen jungen Leuten, weil ich zum Beispiel auf der Suche nach einem Marketing-Experten wäre. Da bin ich mir nicht so sicher, ob ich da mit dem Management-Berater zusammenarbeiten würde. Die Leben in einer ganz anderen Welt. Selbst wer schon in einem anderen Bereich erfolgreich ist, muss sich darauf einlassen, dass das Online-Geschäft ganz anders funktioniert. Amazon zum Beispiel, ist für viele Unternehmen mittlerweile der größte Vertriebskanal. Konzerne, die heute noch nicht auf Instagram und vielleicht auch auf Snapchat unterwegs sind, kein Facebook- und YouTube-Angebot haben, werden irgendwann zurückfallen. Manager, die diese Entwicklung einfach ignorieren, sind dann „unemployable“.

Gerade der Bereich Immobilien-Verwaltung ist noch recht papierlastig, obwohl es bereits mehrere Startups gibt, die das ändern wollen. Leidet die gesamte Branche an einer gefährlichen Hybris? Wird die Digitalisierung verschoben, solange die Preise (noch) stimmen?

Zuerst einmal müssen Sie sich die Branche genauer anschauen. Da gibt es ganz unterschiedliche Geschäftsmodelle. Das eine ist die Maklerei. Das Makler-Geschäft wird früher oder später als erstes ersetzt werden, weil das relativ leicht geht. Sobald Sie sich einen Schlüssel aufs Smartphone laden können, brauchen Sie keinen Makler mehr, der die Tür aufmacht. Ich kenne bereits Unternehmen, die daran arbeiten.

Andere Geschäftsfelder lassen sich nicht so leicht digitalisieren. Der Bau einer Immobilie und alles im Bereich Immobilien Development hat viel mit Politik zu tun. Auch handwerkliche Leistungen lassen sich nicht ersetzen. Ich habe noch keinen Computer oder Roboter gesehen, der ein Dach decken kann. Da wird es dann kompliziert. Auch die Finanzierung von Großprojekten in dem Bereich wird noch nicht so schnell online funktionieren, weil das sehr individuelle Prozesse sind. Bei kleineren standardisierten Projekten hingegen, wie zum Beispiel dem Kauf einer Wohnung, wird schon man bald nicht mehr viele Bankmitarbeiter und Immobilien-Vermittler brauchen.

Und der letzte Teil, die Vermietung, wird weiter bestehen. Denn virtuell im Computer wohnen werden Menschen auch in Zukunft nicht können.

Welche digitalen Tools würden Sie sich für die Branche wünschen? Was wäre ein interessantes Investment?

Da kann ich ganz allgemein sagen: Es muss Deppen-einfach sein! Wenn ich erst eine Bedienungsanleitung lesen muss, um eine Anwendung zu verstehen, dann ist das ein Scheiß! Wenn eine Plattform so kompliziert ist, dass ein Laie sie nicht bedienen kann, dann weiß ich auch, dass sie sich nicht verkauft.

Die Digitalisierung verändert nicht nur unsere Art zu arbeiten, sondern auch unsere Art zu leben. Die Community der digitalen Nomaden, die sich nicht mehr über einen festen Wohnsitz definieren, wächst. Wie wird diese Entwicklung den globalen Immobilien-Markt verändern?

Wir haben global einen Fokus auf Metropolen. Besonders an Standorten, die für die New Economy attraktiv sind, sieht man, dass die Immobilien-Preise steigen. Im Silicon Valley kann sich so manch ein Stanford-Professor keine Miete leisten. Dafür ist er schlicht und einfach zu arm. Und auch in Berlin sieht man, dass die Preise anziehen.

Zu den digitalen Nomaden: Man soll nicht nur immer an einem Ort sein und die Welt sehen. Aber es braucht immer auch eine Basis. Und wenn man ein richtiges Geschäft aufbauen will, dann geht das nicht von unterwegs. Ich spreche da aus eigener Erfahrung.

Herr Hörhan, vielen Dank für das Interview!

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