Digitale Minimal-Anforderungen

Das Kapitel meines E-Books, das am meisten Aufmerksamkeit erhalten hat, dreht sich darum, dass der Praktikant im Unternehmen die digitalen Probleme nicht lösen kann. Zwar mag dieser ein Digital Native sein, der von klein auf mit PC, Smartphone und Tablet in Berührung gekommen ist. Er kann aber die fehlenden digitalen Fähigkeiten der Geschäftsführung nicht auffangen. Für strategische Entscheidungen bedarf es der genauen Kenntnis des Geschäftsmodells, der Kunden-Zielgruppe UND den Fähigkeiten, digitale Tools anzuwenden und deren Hintergrund-Funktionen zu verstehen. Leider fühlen sich viele Geschäftsführer schon als Digital Natives, wenn sie ihr iPhone in der Hosentasche herum tragen.

Welche Fähigkeiten sollte im Jahr 2016 auch die Führungsetage an den Tag legen? Da ich mit dieser Frage häufig konfrontiert werde, hier einmal die Auflistung der Themen, die ich für sinnvoll halte und die auch Teil meiner Workshops sind. Verabschieden Sie sich dabei von dem Anspruch, jedes Programm bis ins Detail zu beherrschen. Dafür gibt es jeweils Spezialisten. Digitale Fähigkeiten sind vernetzte Fähigkeiten. Generelle Grundlagen verstehen und sich vorstellen können, was Spezialisten leisten, hilft enorm weiter.

 

Studying concept: New Skills on wall background
Bild: Maksim Kabakou, Fotolia

 

Zunächst einmal sollten die BuzzWords klar sein. Immer wieder treffe ich Menschen, die mit Fragezeichen in den Augen aus Vorträgen zur Digitalisierung kommen. In dem Vorwort meines E-Books habe ich die gängigen Fachbegriffe einmal aufgelistet und versucht, etwas Licht ins Dunkel zu bringen. Danach kommt der schmerzhafte Teil: Das Verständnis und die Zustimmung, dass digitale Prozesse nach einer durchaus anstrengenden Lern- und Implementierungs-Phase zu schlankeren und effizienteren Prozessen sowie einer produktiveren Arbeitsweise führen. Vereinfacht gesagt, steht nun die gedankliche Zustimmung zum papierlosen Office an.

Doch warum sammeln Führungskräfte und Mitarbeiter Papierstapel auf ihren Schreibtischen und beschreiben meterweise Post-its. Meist, um sich zu organisieren und ja nichts Wichtiges aus den Augen zu verlieren. Möchte man diese Organisations-Strategie ins digitale übertragen, ist es unerlässlich zu verstehen, wie ein Computer „denkt“ und warum das so ganz anders funktioniert als beim Menschen. Sicher werden Sie sich schon einmal dabei ertappt haben, dass Sie einem Kollegen fehlendes logisches Denkvermögen unterstellt haben. Für den Computer sind Sie dieser Kollege. Sie müssen sich damit anfreunden, ihre Arbeits-Prozesse anzupassen beziehungsweise sich eine Software auszusuchen, die zu ihren Bedürfnissen passt. Das fängt bei Kalender- und E-Mail Anwendungen an und zieht sich quer durch alle Bereiche. Ein Grundverständnis für dahinterliegende Funktionen und vielleicht auch ein wenig Einblick in die Programmierung ist hierbei durchaus hilfreich. Keine Panik! Es wird nicht erwartet, dass Sie Ihre IT-Projekte in Zukunft gleich selber umsetzen. Ein paar neue Einblicke können die strategische Planung jedoch enorm bereichern und Ihnen dabei helfen, die Anwendungen, deren Einführung Sie mit beschließen und in Auftrag geben, auch selber zu nutzen. Denn wenn Sie dazu nicht in der Lage sind, warum sollten Ihre Mitarbeiter dies dann tun?

Außerdem sollte eine Führungskraft, die in ein Vorstellungsgespräch geht oder extern Aufträge vergibt, zumindest einen Gesamtüberblick über die in Auftrag gegebenen Aufgaben haben. Wenn Sie eine Website bestellen, sollten Sie also in etwa wissen, wie ein Web-Designer arbeitet und was Sie erwarten können. Noch einmal nachzulesen in dem entsprechenden Beitrag. Auch die Verantwortung, interne Daten für entsprechende Apps, Business Intelligence oder Predictive Analytics Anwendungen vorzubereiten, kann ein externer Dienstleister nur schwer übernehmen. Die Bereitschaft dazu muss aus dem inneren Zirkel kommen.

Die minimalen Fähigkeiten, die für eine erfolgreiche digitale Transformation notwendig sind, bestehen meiner Meinung nach aus:

  • Einem Bewusstsein für Sicherheit und Datenschutz sowie minimalen Kenntnissen entsprechender Software-Lösungen beziehungsweise dem kurzen Draht zu einem fähigen Ansprechpartner.
  • Gute Anwender-Kenntnisse im Bereich Textverarbeitung, Präsentationen und Kalkulationen (im Microsoft-Kosmos in Form von Word, Powerpoint und Excel) sowie entsprechender Sharing und Co-Working Lösungen, die in Ihrem Unternehmen genutzt werden – alleine schon, um bei der gemeinsamen Arbeit an einem Dokument kein Chaos anzurichten, das von anderen Mitarbeitern zeitaufwändig wieder behoben werden muss.
  • Sofern Sie ein Customer Relationship Management (CRM) Tool nutzen, sollten Sie auch hier im Umgang sicher sein. Und auch ruhig in der Lage zu hinterfragen, ob es noch zeitgemäß und für Ihren Bereich sinnvoll eingerichtet ist. Gerade mit Blick auf langfristige Big Data Projekte, sollten Sie auch abschätzen können, inwieweit die genutzten Systeme eine saubere Datenbasis produzieren.
  • Ein kleiner Exkurs zum Thema Datenspeicher, Server und Cloud und ein Blick auf die Wege und Schnittstellen von Datensätzen kann ebenfalls nicht schaden.
  • Auch wenn Ihre eigene Funktion noch so weit von Kundenservice und Marketing entfernt scheinen mag: Setzen Sie sich damit auseinander! In agilen digitalen Unternehmen wachsen Abteilungen enger zusammen. Es kann also durchaus sein, dass auch Sie irgendwann Teil eines digitalen Marketing-Projektes werden. Einen Überblick bieten die Blog-Beiträge aus Juni und Juli. Ein guter Social Media Manager kennt sich zum Beispiel nicht nur mit Community-Building aus, sondern beherrscht im besten Fall mehrere Bild- und Video-Bearbeitungsprogramme. Auch Kundenservice und Vertrieb arbeiten zunehmend digital und behalten den Überblick über mehrere Kommunikationskanäle.
  • Dazu kommen Branchen-spezifische Anwendungen und Eigenproduktionen im Software-Bereich sowie Modifikationen, die für Ihr Unternehmen entwickelt wurden. Auch hier: Suchen Sie sich den entsprechenden Experten aus Ihrem Umfeld, nehmen Sie sich Zeit und stellen Sie Fragen!
  • Außerdem sollten Sie bei der Planung eigener Projekte auch immer einen Blick auf die technische Seite werfen und sich nicht davor scheuen, sich diese vorab ausführlich erklären zu lassen. So vermeiden Sie Missverständnisse und Frust. Denn nicht immer lässt sich eine kreative Idee auch kostengünstig technisch umsetzen. Bereits in der Planungsphase mögliche Kompromisse zu erkennen, kann da unglaublich hilfreich sein.

Vor allem wichtig ist jedoch zu akzeptieren, wie aufwendig einzelne Themen in der Umsetzung sind. Gedankliche Auswüchse, wie der Fachinformatiker, der sich im Unternehmen um die IT-Sicherheit kümmert und nebenbei noch ein bisschen Social Media Marketing macht, lösen sich mit ein wenig Hintergrundwissen in Luft auf. Vielleicht finden Sie einen Bewerber, der beides kann. Aber auch dessen Tag hat nur 24 Stunden. Führungskräfte sollten sich also nicht nur aus Eigeninteresse digital weiterbilden. Sondern auch, um von Bewerbern und Mitarbeitern als kompetent wahrgenommen zu werden und auch in Zukunft noch sinnvolle Entscheidungen treffen zu können. Wie diese digitale Zukunft aussehen könnte, erfahren Sie unter anderem hier:

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