Mein Leben als moderner digitaler Wissensarbeiter

Der moderne Wissensarbeiter soll das Ideal des digitalen Arbeitens verkörpern. Flexibel einsetzbar und von überall auf der Welt arbeitsfähig – sofern unbeschränkt Internet und Energy-Drinks verfügbar sind. Er benötigt kein Büro mehr, was seinem Arbeitgeber auch noch dessen Unterhalt spart, und bringt seine Arbeitsgeräte im besten Fall gleich selber mit. Für Gründer und Startups funktioniert das super. Aber ist der moderne Wissensarbeiter auch als Mitarbeiter im etablierten Unternehmen ein Gewinn?

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Das Beitragsfoto ist entstanden, als wir die Marketing-Strecke für mein E-Book geshootet haben. Gott sei Dank sitze ich nicht immer so gestylt und ins rechte Licht gerückt am Schreibtisch. Im Gegenteil: Gerade ganz am Anfang, als neben der Arbeit an Blog und Business auch noch die Behörden ständig etwas von mir wollten, war die Jogginghose mein bester Freund. Wenn man sich in Berlin Startup City so umhört, geht es vielen Gründern und Freelancern nicht anders.

Vielmehr als in Unternehmen üblich, liegt der Fokus auf der Arbeit. Nicht auf der Darstellung und Behauptung der eigenen Person und Position oder dem x-ten sinnlosen Meeting, um den Tag produktiv aussehen zu lassen. Ich genieße es, mich mit diesen Mensch gemachten Strukturen nicht mehr jeden Tag auseinander setzen zu müssen und vor allem nicht mehr davon abhängig zu sein, auf die Arbeitsergebnisse anderer Leute zu warten – oder deren Arbeit gleich auf den eigenen Schreibtisch geschoben zu bekommen. Stattdessen klappe ich gleich nach dem Aufstehen den Laptop auf oder programmiere auch mal bis 3.00 Uhr nachts durch. Dafür kann es sein, dass man mich am nächsten Mittag nicht am Schreibtisch, sondern ganz wo anders findet. Völlig egal, mich kontrolliert ja niemand.

Meine Herausforderung besteht nicht darin, zu erledigen, was mein Chef mir zutraut, sondern darin, meine selbst gesteckten Ziele zu erreichen und dabei stets mehr Wissen anzusammeln. Denn daraus besteht der Mehrwert meiner Arbeit: Auf meinem Spezialgebiet mehr zu wissen und besser informiert zu sein als andere, um meinen Kunden mit ihren Problemen im Bereich Digitalisierung und Big Data weiterhelfen zu können. Neben meinen täglichen ToDo-Listen, ist also auch kontinuierliche Weiterbildung ein großes Thema. Wie viel Zeit und Geld ich dafür investiere, bleibt mir selber überlassen. Im besten Fall lerne ich jeden Tag etwas Neues. Entweder auf dem Weg zu meinen Zielen, weil ich dafür neue und vertiefte Fähigkeiten benötige, oder durch die Teilnahme an Seminaren und Webinars.

Nicht nur mir selber, auch meinen Mitarbeitern möchte ich diese Freiheiten gewähren. Dazu gebe ich klare Ziele im überschaubaren Rahmen vor. Wie diese erreicht werden, ist mir egal. Ich bin kein Fan von Mikro-Management und davon, einzelne Kleinigkeiten nach zu verfolgen. Ich stelle andere ein, um mehr Zeit für meine eigenen Projekte zu haben und gebe einen Vertrauensvorschuss, der in etablierten Unternehmen nicht üblich ist.

Natürlich ist das hier eine subjektive Darstellung meiner Arbeitsweise und Gedankenwelt und sicherlich gibt es Wissensarbeiter, die ganz anders arbeiten. Spricht man mit ihnen und schaut sich die entsprechenden Austausch-Gruppen an, sind aber alle auf der Suche nach einer Arbeitsform, die fern der etablierten Hierarchie-Strukturen liegt. Die Frage ist nun: Wie lassen sich solche Freigeiste in ein Unternehmen einbeziehen?

Meine Meinung: In manchen Bereichen wird es nicht gehen. Das Office Management, die Buchhaltung und alle Bereiche, die sich eng abstimmen müssen, lassen sich nur schwer auslagern. Und eigentlich bräuchte es auch bei all den Home Office und Vertrauens-Arbeitszeit-und-Ort-Modellen jemanden, der als Projektmanager die externen Wissensarbeiter mit Informationen versorgt. Damit meine ich nicht nur technische Informationen im Sinne der Einarbeitung in verschiedene Systeme, sondern die kontinuierliche Versorgung mit Informationen aus dem Arbeitsalltag des Kernteams. Wer nicht im Büro sitzt, bekommt schlicht den Flurfunk nicht mehr mit. Und über den wird in Unternehmen erstaunlich viel verbreitet, was Auswirkungen auf die eigene Arbeit hat. Schnittstellen-Management wird also nicht nur gegenüber dem Kunden, sondern auch intern immer relevanter.

Der moderne Wissensarbeiter stellt so nicht nur die technische Infrastruktur, sondern auch die Unternehmens-Organisation vor Herausforderungen. Ganz abgesehen davon, dass es klarer Ansagen und Ziele Bedarf, um die Arbeitsleistung unterschiedlich arbeitender Mitarbeiter zu vergleichen und messen zu können. Da ist viel Entgegenkommen und Einsatz von der Chef-Etage gefordert.

Wie der individuelle Mitarbeiter arbeiten möchte und inwieweit die Infrastruktur des Unternehmens und der Führungsstil des Vorgesetzten dies zulassen, sollte daher meiner Meinung nach Teil eines jeden Vorstellungsgesprächs sein. Und da macht es dann keinen Sinn, das blaue vom flexiblen Himmel zu versprechen, um den Bewerber zu einer Zusage zu bewegen. Es gibt Unternehmen, die gerade mit dem Bereich digitale Infrastruktur ihre lieben Probleme haben. Und es gibt Büros, in denen es durchaus Sinn macht, dass Menschen vor Ort arbeiten, präsent und jederzeit ansprechbar sind. Das Beste, was dem modernen Wissensarbeiter also passieren kann, ist eine ehrliche und faire Kommunikation. Alles andere bringt ihn in die unangenehme Situation, irgendwann zwischen allen Stühlen und Erwartungshaltungen fest zu sitzen. Eine Kündigung ist dann häufig der letzte Ausweg – und für beide Seiten unangenehm.

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2 thoughts

  1. Du sprichst mir mit deinem Beitrag aus der Seele.

    Zum Thema Projektmanagement. Ein vernünftiger Projektmanager ist in jedem Fall Gold wert.
    Leider wird an diesem Punkt tatsächlich aber immer gespart. Es gibt zwar unheimlich viele Projektmanager. Die managen aber keine Projekte sondern sind im besten Fall einfach nur da. Es sind also Präsenzmanager.

    Damit hat man in großen Firmen immer zu kämpfen. Wohl auch ein Grund, warum Leute wie Du und Ich uns für diesen Weg entschieden haben. Aber auch in der Selbständigkeit braucht man natürlich einen guten Projektmanager, nämlich sich selbst 🙂

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