Big Data Minds > Thomas Kleine-Möllhoff, Coca-Cola

Am 19. und 20. September 2016 findet in Berlin die Big Data Minds Konferenz statt, auf der sich Fach- und Führungskräfte zum Thema Big Data austauschen und von den Erfahrungen in ihren Unternehmen berichten. Digitalisierung jetzt! ist Medienpartner und so durfte ich im Vorfeld ein paar spezifische Fragen an die Experten beisteuern. Hier finden Sie das dritte Interview, in dem Thomas Kleine-Möllhoff über seine Arbeit bei Coca-Cola berichtet.

Thomas Kleine-Möllhoff ist Business Services Director BI & Analytics innerhalb der globalen IT bei The Coca-Cola Company. Im Rahmen dieser Rolle ist er weltweit verantwortlich für den Bereich “BI & Analytics Data Management Service”. Vor seiner Tätigkeit bei Coca-Cola war er mehrere Jahre IT-Berater, u.a. bei KPMG. Herr Kleine-Möllhoff lebt mit seiner Familie in Berlin.

The Coca-Cola Company ist einer der weltweit größten Softdrink-Produzenten. Das Unternehmen besitzt die Rechte an weltweit rund 500 Marken. Zu den Produkten, die allesamt alkoholfrei sind, gehören Erfrischungsgetränke mit und ohne Zucker, Schorlen, Eistees, Sportgetränke, Säfte, verschiedene Mineral-, Heil- und Tafelwasser sowie gekühlte, trinkfertige Kaffeespezialitäten. Auch die Angebotsform ist vielseitig. Die unterschiedliche Packungsgrößen sind zugeschnitten auf den Bedarf von Singles, Großfamilien oder eignen sich für unterwegs. Mit den Produkten Coca-Cola, Diet Coke, Sprite und Fanta gehören vier Produkte der Coca-Cola Company zu den „World’s top five“ der nicht-alkoholischen kohlensäurehaltigen Getränke. Daneben zählen zu den erfolgreichsten Marken Coca-Cola Zero, Minute Maid, Powerade, Aquarius, Dasani, Glacéau Vitaminwater, Simply oder Georgia. Die internationale Coca-Cola Company arbeitet im Lizenzsystem. Als Markeninhaberin hat das Unternehmen Lizenzverträge mit Partnern weltweit, den sogenannten Konzessionären, die für die Produktion und den Vertrieb der Coca-Cola Produkte verantwortlich sind.

 

Businessman using data network with his fingers
Bild: sdecoret, Fotolia

 

Big Data? Big Confusion? Was verstehen Sie unter Big Data?

Ganz einfach gesprochen ist Big Data für mich die Möglichkeit, sehr große Datenmengen unabhängig von Struktur und Quelle durch den Einsatz neuester Technologien (wie z.B. Hadoop) für die jeweilige Organisation auswertbar zu machen.

Was waren Ihre Beweggründe sich mit dem Thema Big Data zu beschäftigen?

Zwei Treiber: einmal aus der reinen IT-Sicht die Notwendigkeit einen Architektur- bzw. Technologiewechsel vorzunehmen (weil z.B. die gestiegenen Datenmengen und -arten nicht mehr performant verarbeitet und dem Business zur Verfügung gestellt werden können). Zum anderen aus Fachbereichssicht durch die Integration der unterschiedlichsten Daten neue und vor allem relevante Insights zu generieren.

Wie ist das Big Data-Projekt bei Ihnen im Unternehmen organisiert? Wer ist involviert und was sind die Ziele?

Das Big-Data Projekt wird in erster Linie durch unsere interne IT geleitet. Selbstverständlich arbeiten wir hierbei mit externen Partnern im Rahmen der Umsetzung zusammen. Involviert sind letztlich so gut wie alle IT-Bereiche: Enterprise Architecture, Delivery, Support, Platforms, IRM etc. Die Ziele sind, vereinfacht gesprochen: One version of the truth, modernize & cloud first, new/enhanced business capabilities für Data Exploitation und Insights Generation sowie TCO Reduzierung.

Wie haben Sie das Thema im Unternehmen so geerdet, dass Sie konkrete Projekte dazu anstoßen konnten?

Wir sind gerade dabei eine entsprechende Governance um unsere Big Data Initiative zu etablieren. Hierbei steht eine enge und partnerschaftliche Zusammenarbeit mit unseren Business Funktionen im Vordergrund. Durch die Identifizierung der richtigen Stakeholder auf Fachbereichsseite ist es uns als IT möglich, den entsprechenden Demand an Projekten auf unserer zukünftigen Big Data Platform zu konsolidieren/priorisieren. Auf dieser Basis erfolgt dann die Umsetzung.

Wie messen Sie den Erfolg von Big Data Projekten?

Zum einen mittels Time-to-Market bzw. Time-to-Value. D.h., ist es uns möglich, schneller einen Beitrag zur Erreichung unserer Unternehmensziele zu leisten. Des weiteren durch die Generierung neuer und relevanter Insights. D.h. können wir aufgrund der neuen Möglichkeiten die uns unsere Big Data Platform liefert Geschäftsentscheidungen besser treffen. Nicht zuletzt messen wir den Erfolg auch sicherlich daran ob wir (technische) Performanceverbesserungen erzielt haben sowie die Kosten (TCO) reduzieren konnten.

Was sind die größten technischen, personellen und operativen Herausforderungen für Coca-Cola in Bezug auf Digitalisierung und Big Data?

Technisch ist hierbei hervorzuheben, dass wir als Unternehmen auf einen komplett neuen
Technologie-Stack setzen und unsere Erfahrungen bisher damit folglich sehr begrenzt sind. Personell dreht sich vieles sicherlich um das Thema „internes know-how und skills“. D.h. haben wir das Wissen und die Fähigkeiten in unserem Unternehmen, um einen echten Mehrwert aus unserer Big Data Platform zu ziehen. Auf operativer Seite haben wir die Herausforderung, dass wir die Analysen und Insights viel stärker in unsere täglichen Business-Prozesse einbeziehen. Hierbei ist auch der Weg das Ziel und erfordert in gewisser Hinsicht auch einen kulturellen Wandel (Stichwort „Data-Driven Organisation“).

Wie stellen Sie eine saubere Datenbasis für BI Anwendungen sicher? Wie beziehen Sie Kunden, Lieferanten und Abfüller mit ein?

Langfristig verfolgen wir die Strategie, dass unsere Plattform, abgesichert durch entsprechende Security-Konzepte, unseren Partnern (wie z.B. Abfüllern) ebenfalls zur Verfügung gestellt wird. Allein die Umsetzung dieser Strategie sorgt für ein Eigeninteresse der Partner, dass die Datenbasis von höchster Qualität ist.

Welche anderen Entwicklungen werden das Thema Big Data in Zukunft am meisten beeinflussen?

Der Trend geht von Big Data hin zu Smart Data. Der Leitgedanke hierbei ist ja, dass es nicht nur um die reine Masse an Daten geht die ich nutzbar machen kann. Vielmehr steht die Relevanz der auswertbaren Daten im Vordergrund. D.h. auch vergleichsweise kleinere aber höchst-unstrukturierte Datenmengen können durch intelligente Verwendung der Big Data Technologien, zum Geschäftserfolg beitragen.

Welche Branchen sind aus Ihrer Sicht der Benchmark für das Handling von Big Data?

Finanzindustrie sowie der E-Commerce Sektor.

Wie bedeutend ist Big Data im Vergleich zu anderen Innovationen der letzten Jahrzehnte?

Sicherlich hat Big Data den gleichen „disruptiven“ Stellenwert wie einschneidende Innovationen der jüngeren Vergangenheit. Allerdings ist der „Innovationsprozess Big Data“ ja noch nicht abgeschlossen. D.h. wir befinden uns momentan noch mitten in diesem Veränderungsprozess, welcher die Chancen in nächster Zeit erst noch vollständig offenlegen wird.

Was denken Sie muss geschehen, damit das Thema Big Data im Hype Zyklus von Gartner im Plateau der Produktivität ankommt? [Info: Gartner Hype Cycle]

Ich denke dies wird über den Zeitverlauf automatisch passieren. Big Data Technologien sowie die dazugehörigen Prozesse werden sich weiter etablieren und ins „Daily Business“ integriert werden. Ich sehe aber weiterhin die Herausforderung der Mitarbeiterqualifikation. Soll heißen: um im Plateau der Produktivität anzukommen reicht es nicht, dass wir IT-seitig das Potenzial von Big Data ausschöpfen. Viel entscheidender ist doch: haben wir auf Business-Seite die richtigen Skills und Fähigkeiten, die Daten auszuwerten, zu deuten und in Handlungsempfehlungen zu übersetzen.

Der Data Scientist W. Edwards Deming sagte einmal “Without data you´re just another person with an opinion”. Stimmen Sie ihm zu? Was ist Ihre Meinung?

Meiner Meinung nach kommt es auf die ausgewogene Balance zwischen faktenbasierter und erfahrungsgetriebener Entscheidungsfindung an. Wenn wir
letzteres als „Bauchgefühl“ bezeichnen, so sollten Entscheider dieses mit Daten anreichern, um dann ein möglichst komplettes Bild zu erlangen.

Welchen konkreten Mehrwert haben BI und Analytics Ihrem Unternehmen bisher gebracht?

Unternehmensentscheidungen werden durch relevante Insights besser getroffen. Auch hilft uns die Visualisierung von Daten Zusammenhänge besser zu verstehen und schneller zu erfassen. Stichwort „schneller“: nicht zuletzt sind wir durch BI und Analytics in der Lage, agiler und zügiger unsere Geschäftsprozesse zu optimieren.

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Vielen Dank an we.CONECT Global Leaders GmbH für die Kooperation.

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