Responsive Design aus der Kosten-Nutzen-Perspektive

Desktop, Tablet, Smartphone, eine Website muss heutzutage auf allen Geräten zuverlässig funktionieren. Der Weg dahin führt für einige Unternehmen über externe Agenturen. Über das Ergebnis ist man sich allerdings nicht immer einig. Software-Entwickler und Web-Designer Daniel Hoffmann erklärt, welche Stolpersteine es zu beachten gilt und wie Sie Ihrem Unternehmen ohne Frust zu einer zeitgemäßen Website verhelfen.

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Bild: bramgino, Fotolia

HTML, Typo3, WordPress,…. Daten auf eigenen oder externen Servern. Was ist der aktuelle Trend in Sachen Firmen-Website und anhand welcher Kriterien lässt sich entscheiden, was für den eigenen Web-Auftritt sinnvoll ist? 

Das ist immer eine sehr individuelle Entscheidung und sollte vom Content sowie der gewünschten Funktionalität der Seite abhängig gemacht werden. Für eine kurze Unternehmens-Präsentation reicht meist ein vergleichsweise günstiges Webspace-Paket. Alles andere wäre hier wirtschaftlich nicht sinnvoll.

Das Anmieten und betreiben eigener Server-Technik lohnt sich erst dann, wenn die Seite sehr viele maßgeschneiderte und interaktive Funktionen bieten soll, oder ein extrem hohes Besucher-Aufkommen aufweist. Beispiele hierfür wären Portale mit selbst gehosteten Downloads, Streaming-Websites oder umfangreiche Community-Systeme. Bei derartigen Seiten ist oft mit einem hohen Daten-Aufkommen zu rechnen, so dass die Technik dahinter die entsprechenden Ressourcen bieten muss.

In diesen Größenordnungen geht der Trend eindeutig in Richtung Cloud-Hosting: Anstelle in einem Rechenzentrum tatsächlich physikalisch vorhandene Rechner zu mieten, werden immer häufiger Anbieter wie Amazon EC2, Profitbricks oder Rackspace genutzt. Hier lassen sich komplette Server-Infrastrukturen virtuell erstellen, und bei Bedarf sehr flexibel und unkompliziert skalieren.

Auch die Software einer Seite sollte mit Bedacht anhand von Art und Inhalt gewählt werden. Content Management Systeme (CMS) wie WordPress oder Typo3 sind zwar für den Benutzer ohne Programmier-Kenntnissen komfortabel, allerdings auch nur dann notwendig und sinnvoll, wenn der Inhalt der Website ständigen und regelmäßigen redaktionellen Änderungen unterliegt. Bei überwiegend statischen Informationen, steht der Mehr-Aufwand für Implementierung und Wartung eines CMS nicht unbedingt im Verhältnis zum Nutzen. Man sollte sich daher gut beraten lassen, und sich nicht zu einem möglicherweise unnötig „aufgeblähten“ System und dessen Mehrkosten überreden lassen.

Was hält ein Web-Designer von Seiten-Editoren für End-Anwender wie WIX und Co.?

Hier muss man meiner Meinung nach stark zwischen privatem und gewerblichem Nutzen unterscheiden. Für Leute, die zum Beispiel eine Familien-Website bauen möchten, auf der Urlaubsfotos gezeigt werden, ist das sicherlich eine gute Sache. Diese Systeme bieten mittlerweile zwar einen großen Funktionsumfang, dennoch bleibt ein entscheidender Nachteil: verhältnismäßig enge Grenzen in der Gestaltung. Eine auf solche Weise gebaute Website wird aus Sicht eines Web-Designers daher nie ein professionelles Niveau erreichen, da beispielsweise das Design bereits tausendfach eingesetzt wurde.

Ein Homepage-Baukasten kann nie die Konzeptionierung, Programmierung und Design-Arbeiten von Experten ersetzen, die sämtliche Punkte individuell auf den Kunden und dessen Unternehmen abstimmen. Abgesehen vom Erscheinungsbild, betrifft das vor allem auch die Skalierbarkeit der Website. Stellt man nämlich irgendwann fest, dass maßgeschneiderte Funktionen oder Anpassungen benötigt werden, welche nicht durch den Baukasten abgedeckt sind, fängt man gegebenenfalls komplett bei Null an und zahlt erneut für eine komplett neue Website. Seiten-Editoren sind überwiegend geschlossene Systeme und die eingepflegten Datensätze nur selten kompatibel.

Welche sind die ersten Schritte zu einem gutem Responsive Design? Auf welche Punkte sollte man besonders achten?

Der entscheidende Punkt im Web ist eigentlich für alles immer erst der Content. Denn was nützt einem die schönste Responsive Programmierung und Gestaltung, wenn der Betreiber der Website auf jeder Unter-Seite Romane verfasst, bei denen der Besucher dann auf seinem Smartphone gefühlte 183 Seiten scrollen muss? Oder was nützen riesige Hintergrund-Bilder in Full-HD und Megabyte-Größe, wenn die Seite im Mobilfunknetz deswegen minutenlang laden muss, und der User von diesen toll aufgelösten Bildern auf seinem 600 Pixel Handy-Display dann ohnehin nichts mehr erkennen kann?

Zuerst muss man sich also ein gutes inhaltliches Konzept überlegen: Was möchte ich überhaupt auf der Seite vermitteln? Welche Menu-Struktur ist sinnvoll und intuitiv bedienbar? Was habe ich an Material (Texte, Bilder, Videos, Links, usw.) zur Verfügung und was davon ist überhaupt web-tauglich? Im Web gilt grundsätzlich eigentlich nicht „viel hilft viel“, sondern „weniger ist mehr“. In Normalfall möchte der Besucher seine Informationen schnell finden, und sich nicht durch eine wirre Verschachtelung dutzender Menüpunkte und Unterseiten quälen.

Das eigentliche Design ist dann eigentlich einer der letzten Schritte, die man angeht, nachdem alles andere gut vorbereitet wurde. Hierbei ist dann vor allem wichtig dass das Bedien-Konzept dem Endgerät angepasst ist, so dass beispielsweise Buttons auf einem Smartphone-Touchscreen groß genug sind, sodass diese sich auch mit dem Finger treffen lassen. Auch der Textfluss muss sich je nach Endgerät automatisch anpassen.

Welche Funktionen sollte eine gute Website beinhalten?

Das lässt sich schwer pauschal beantworten, da es ja immer auf den jeweiligen Einsatzzweck ankommt. Neben Repsonsive Design gehört heute auch eine gute Integration von vorhandenen Social Media-Seiten und die Implementierung von de-facto Standards wie Anfahrtsbeschreibungen mit Link zu Google Maps, oder einem Kontext bezogenen Kontakt-Formular anstelle eines simplen E-Mail-Links zum guten Ton.

Gerade Selbstständige und kleine Unternehmen schätzen es, wenn sie Änderungen an der Website selber vornehmen können. Welche Bereiche gibt ein Web-Designer gerne frei und welche sollte man lieber dem Profi überlassen?

Das ist leider oftmals ein Punkt, der so manchen Web-Entwickler und Designer in den Wahnsinn treibt. Nahezu jedes Content Management System (CMS) bietet umfangreiche Formatierungs-Möglichkeiten, mit denen der Kunde ohne Programmier-Kenntnisse seine Seiten umgestalten kann. Im schlimmsten Fall werden diese Möglichkeiten vom Kunden exzessiv genutzt. Das Ergebnis ist dann, dass der Entwickler eine zeitgemäße Website abgeliefert hat, der Kunde selbst diese jedoch in kürzester Zeit tot-formatiert. Da ist der eine Text-Abschnitt plötzlich rechtsbündig, man hat 7 verschiedene Schriftarten, die Überschriften blinken grün und das Menü hat auf einmal 42 Unterpunkte in 5 verschiedenen Ebenen.

Anstelle sich also auf einen Experten zu verlassen, der ja unter anderem genau dazu beauftragt wurde, um Chaos auf der Website zu vermeiden, überwiegt die Neugierde und der Spieltrieb. Das Ergebnis ist in der Regel alles andere als professionell und seriös. Um solche Missverständnisse zu vermeiden, sollte schon in der Konzept-Phase Klartext geredet werden. So kann man sich zum Beispiel darauf einigen, dass der Web-Designer am Ende nur Funktionen für den Kunden freigibt, die er mit seinem individuellen technischen Vorwissen pflegen kann, ohne das Gesamtkonzept der Seite zu beschädigen. Sowas passiert häufig, wenn unerfahrene Anwender Code-Schnipsel aus dem Internet kopieren, ohne zu wissen, was dieser bewirken. Das kann im schlimmsten Fall zu einer Sicherheits-Lücke in der Website-Struktur führen. Und dann stellt sich die Frage nach der Haftung.

Warum gibt es noch so viele Firmen-Websites, die nicht für die mobile Ansicht optimiert sind?

Das liegt vor allem daran, dass viele Unternehmen nach wie vor das Potential und die Tragweite des Internets unterschätzen, und die Entwicklungen verschlafen. Anhand von Statistiken zeigt sich, dass in Unternehmen wie Software-Firmen, Werbeagenturen, Elektronik-Shops, usw., wo die IT eine größere oder gar entscheidende Rolle spielt, meist sehr viel Aufwand für die Internet-Seite und das Marketing betrieben wird.

Im Gegensatz dazu stehen dann viele häufig kleinere Handwerks-Betriebe oder alt-eingesessene Firmen. Da wurde dann eventuell schon einmal eine Website ins Leben gerufen. Oft aber nur, „weil man das eben so haben muss“ und ohne nennenswertes Budget. Solche Aufträge landen oft nicht bei professionellen Entwicklern oder Agenturen, sondern das macht dann ein Bekannter über drei Ecken. Mit einer solchen Seite lässt sich nur kaum das Potential abschöpfen, welches das Internet auch diesen Unternehmern heute bietet. Der Wille und damit auch die Investition für eine gute und zeitgemäße Website, hängen jedoch leider nicht selten auch von der Altersgruppe der Budget-Verantwortlichen ab.

Welches Anfangs-Budget sollte man für eine technisch aktuelle Firmen-Website einplanen?

Die Budget-Frage kann man unmöglich pauschal beantworten. Die Kosten hängen von einer Vielzahl von Faktoren ab: Umfang der Website, Aufwand des Designs, statisch oder als CMS, Aufbereiten der Inhalte, dynamische Zusatz-Module (Maps, Foren, Gästebücher, Foto-Galerien, Newsletter, usw.), maßgeschneiderte Programmierung, und vieles weitere. Dazu kommt das Responsive Design. Und auch hier gibt es viele Wege.

Wer ein Angebot für eine Website einholt, sollte sich bereits darüber im Klaren sein, wie viele einzelne Seiten gewünscht sind und wie diese verknüpft werden sollen. Außerdem macht es Sinn, sich vorab über mögliche Funktionen zu informieren und auch hier präzise Wünsche zu äußern. So kann ein Web-Designer recht genau kalkulieren und oft sind die Kosten dann überschaubarer als man denkt.

Daniel, vielen Dank für das Interview! [>>> Auf Anfrage erhalten Sie die Kontaktdaten des Experten]

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