Bloggen: Mehr als bloß Content Marketing

Aaron Püttmann von Pilotstories ist ein begeisterter Flugzeug-Fan und hat auf Reisen schon immer gerne fotografiert – besonders Flugzeuge. Sabine Spieler schreibt auf SpielerWeekly für eine Nische im Fashion Zirkus: Modehändler, Lieferanten und alle, die mit Mode Geld verdienen. Ich selber habe mir zum Ziel gesetzt, auf Digitalisierung jetzt! Anwendern die digitale Welt näher zu bringen. Gemeinsam haben wir alle, dass wir Menschen für ein Thema begeistern möchten, das uns selber am Herzen liegt – und gerne schreiben. Auch immer mehr Unternehmen nutzen das Medium Blog als Kanal für aufwendiges Storytelling, das um Produkte oder Marken herum kreiert wird. Doch worauf kommt es dabei an?

BLOGGING
Bild: adiruch na chiangmai, Fotolia

Von der technischen Seite her, ist es recht einfach, einen Blog zu gestalten. Diese Seite ist zum Beispiel ein WordPress Blog und liegt auf WordPress-Servern. Wer mit dem Thema Website-Gestaltung ganz neu beginnt, ist hier gut aufgehoben und kann in der Free Version schon viele Funktionen testen. Auch gibt es viele Tutorials, mit denen Sie sich selber weiterhelfen können. Bei einem Upgrade oder einer Layout-Änderung werden alle Texte und Einstellungen ohne Probleme übernommen. Fortgeschrittene können durch eigene Code-Zeilen spezifische Änderungen vornehmen. WordPress-Seiten sind von vorne herein für Desktop PC, Tablet und Smartphone optimiert. Hier ist keine doppelte Grafik-Arbeit nötig. Sie können WordPress auch als Software auf Ihrem eigenen Server installieren. Oder Sie nutzen eine der vielen Alternativen. wpbeginner hat einige zusammen gestellt. Ich nutze meinen eigenen Webspace zusätzlich, um eine flexiblere Infrastruktur zu gewährleisten. Sollten Sie sich dafür entscheiden, Ihren Blog komplett selber zu programmieren, lohnt es sich, auf die reibungslose Verbindung mit sozialen Netzwerken zu achten.

Spätestens, wenn die Seite online ist, sollten Sie sich Gedanken um die Grafik machen. Möchten Sie eigene Bilder bearbeiten und hochladen, oder genügen Ihnen Stockfotos? Die Antwort entscheidet, wie viel Zeit Sie in Ihren Blog investieren werden. Danach geht es an den Editorial Kalender. Durch eine klar festgelegte Struktur machen Sie nicht nur sich selber die Arbeit einfacher, ihre Leser wissen auch genau, wann wieder ein neuer Beitrag kommt und es sich lohnt, auf der Seite vorbei zu schauen. Ihr Editorial Kalender sollte zusätzlich eine Themenplanung beinhalten. Zwar können Sie von dieser immer noch abweichen. So müssen Sie sich aber nicht jede Woche aufs Neue fragen, worüber Sie schreiben möchten.

Wie sieht dein Editorial Kalender aus? Wie viel Zeit-Aufwand steckt hinter deinen Beiträgen und wo findest du die Inspiration dafür?

Aaron Püttmann, Pilotstories: Ich habe mir am Anfang vorgenommen, jede Woche einen Beitrag zu schreiben. Momentan bin ich da aufgrund anderer Verpflichtungen etwas aus dem Takt. Aber zu diesem Rhytmus möchte ich auf jeden Fall wieder zurück kommen. Dazu muss man wissen, dass ich an einem Beitrag auch schon mal 2-3 Tage dran sitze. Das liegt an der Zeit für die Bildbearbeitung, da ich Wert auf gute Bilder lege und diese neben den Artikeln ein essentieller Bestandteil meines Blogs sind. Schließlich sind unter meinen Lesern auch Planespotter. Neben der Luftfahrt im Allgemeinen, inspiriert mich jede meiner eigenen Reisen.

Sabine Spieler, SpielerWeekly: Wie der Name schon sagt, versuche ich, einmal in der Woche etwas zu posten. Mehr lässt meine Zeit nicht zu. Ich schreibe ja noch für die FAZ und mache sehr viele Vorträge und Workshops. Die Beiträge gehen meist sehr schnell, ich brauche selten mehr als zwei Stunden. Das Hochladen meiner gesammelten Bilder dauert mitunter länger. Die Ideen und Anregungen bekomme ich durch den permanenten Austausch mit Kreativen und Einkäufern, auf meinen Reisen und natürlich auf den Modenschauen und Messen.

Carolin Desirée Töpfer, Digitalisierung jetzt!: Mir war von Anfang an wichtig, wöchentlich einen selbst recherchierten Blog-Beitrag zu veröffentlichen. Hinzu kommen Empfehlungen und das „Buch der Woche“, wenn ich etwas interessantes finde. Ich beginne meist am Sonntag mit dem Beitrag für den nächsten Mittwoch. Häufig verändere ich den Beitrag vor der Veröffentlichung noch einmal und arbeite das Feedback meiner fleißigen Korrekturleser mit ein. Die meisten Bilder kommen von Fotolia. Die Themen ergeben sich häufig aus Fragen von Lesern, oder Brainstorming mit Freunden.

Pilotstories
Pilotstories

Der mit Abstand erfolgreichste Blog nach Besucherzahlen ist die Huffington Post. Der Blog wurde im Mai 2005 von Arianne Huffington als Nachrichtenseite mit viel Platz für Leserkommentare gestartet und 2011 für USD 315 Mio. an AOL verkauft. 2012 gab es für das Projekt den Pulitzer-Preis. Ein Blog lebt von seinen Lesern – vor allem den wiederkehrenden. Es ist noch nicht so lange her, da habe ich allen meinen Kontakten eine WhatsApp-Nachricht geschrieben, wenn ich einen neuen Blog-Beitrag online gestellt habe. Mitterweile bekomme ich selber Nachrichten von Lesern, die ich nicht persönlich kenne. Wichtig ist, am Ball zu bleiben und konstant regelmäßig zu publizieren. Auch, wenn das Feedback am Anfang nicht so groß ist, wie man es sich wünschen würde.

Was unterscheidet, deiner Meinung nach, einen guten von einem schlechten Blog & wie schaffst du es, immer neue Leser auf deine Seite zu locken?

Aaron Püttmann, Pilotstories: Ich finde es immer schade, wenn man beim Lesen das Gefühl hat, ein Blogger sei nur auf Geld aus. Dabei können bezahlte Beiträge auch richtig interessant sein – wenn sie in die Thematik des Blogs passen. Ein guter Blog bietet für mich einen echten Mehrwert, ist vor allem authentisch und hat eine persönliche Note. Neben spannenden Inhalten und ansprechenden Bildern, finde ich auch die Interaktion wichtig. Ich versuche, auf alle Kommentare meiner Leser einzugehen. Außerdem teile ich meine Beiträge auf Facebook und die Bilder auf Instagram. So erreiche ich noch einmal eine andere Zielgruppe.

Sabine Spieler, SpielerWeekly: Was dem Leser gefällt, ist sehr subjektiv. Mir gefällt es immer gut, wenn ein Blogger seine Meinung vertritt. Product Placement langweilt mich zutiefst. Ich teile meine Blogbeiträge auch bei Facebook und Instagram. Zusätzliche weise ich in E-Mails oder bei persönlichen Treffen gerne darauf hin, dass es meinen Blog gibt. Manche Leser kommen auch über Mund-zu-Mund-Propaganda auf die Seite.

Carolin Desirée Töpfer, Digitalisierung jetzt!: Für meine Arbeit lese ich viele Tech und Gründer Blogs. Da stören mich gesponsorte Beiträge nicht – wenn sie als solche markiert sind. Mir ist immer wichtig, dass ein Text nicht nur an der Oberfläche kratzt, sondern auch komplexere Funktionsweisen und Zusammenhänge erklärt, ich beim Lesen also etwas lernen kann. Gleichzeitig kommt es mir immer komisch vor, wenn ein Blogger gleichzeitig Experte für die unterschiedlichsten Themen ist. Daher arbeite ich gerne mit Kooperationspartnern und gehe ganz offen auf interessante Persönlichkeiten zu, mit der Bitte um ein Interview oder einen Gastbeitrag. So erreiche ich neue Zielgruppen und mein Blog bleibt auch für mich immer interessant.

SpielerWeekly
SpielerWeekly

Wie bei allen anderen Social Media Kanälen, ist auch bei einem Blog die Glaubwürdigkeit ein wichtiges Thema. Hier stellen sich die Fragen: Wer soll für Ihr Unternehmen bloggen und warum? Was ist die Message, die Sie über Ihren Blog transportieren möchten? Wen möchten Sie erreichen? Fragen Sie doch zum Beispiel einmal Ihre Kunden, was diese gerne lesen würden.

Hast du ein gutes Beispiel für einen Firmen-Blog? Was würdest du einem Unternehmen raten, das mit dem Bloggen starten möchte?

Aaron Püttmann, Pilotstories: Generell finde ich lehrreiche Hintergrundartikel wichtig. Das macht Audi sehr gut. Neben einfacher Markenwerbung wird so zum Beispiel der Halbleiter erklärt oder ein Artikel über eine Ostsee-Tour mit dem älteren Audi 100 veröffentlicht. So etwas setzt eine Marke toll in Szene. Auch die Blogs von Greenpeace und Coca Cola gefallen mir gut. Für das interne Marketing ist es natürlich schön, wenn auch Mitarbeiter partizipieren können. So lässt die Swiss auf Instagram ihre Piloten oder andere Mitarbeiter die Reisetipps auf ihrer Website ausprobieren – Toll!

Sabine Spieler, SpielerWeekly: Ich finde es platt und durchschaubar, wenn ein Unternehmen ausschließlich über sich selbst berichtet. Besser: man versucht, die Zielgruppe, die man erreichen möchte, in ihrem Lifestyle zu treffen und sie dort abzuholen. Die Kunst liegt darin, die eigene Botschaft intelligent zu verpacken. Ich glaube, platte Werbung funktioniert nicht mehr. Im Zweifel liest das der Leser einmal und nie mehr wieder.

Carolin Desirée Töpfer, Digitalisierung jetzt!: TechCrunch ist eigentlich, genau wie meiner Meinung nach die Huffington Post, dem Blog-Dasein ein wenig entwachsen und mittlerweile eher ein Medienunternehmen – aber immer noch interessant. Ansonsten lese ich hin und wieder den Blog von Virgin-Gründer Richard Branson. Ich mag seine positiven Messages. Auf allen anderen Blogs lande ich meist über Facebook- oder Linkedin-Posts. Wer mich erreichen möchte, sollte seine Beiträge dort teilen.

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3 thoughts

  1. Hallo,

    vielen Dank für den sehr interessanten Artikel! Ich bin nur durch Zufall hier gelandet – und konnte gar nicht einfach weiter zappen. Super!

    Mehr gibt es manchmal nicht zu sagen: „Danke.“

    Liebe Grüße
    Sebastian Klaus

    Gefällt mir

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