Big Data Minds > Dr. Patrick Noll, R+V

Am  19. und 20. September 2016 findet in Berlin die Big Data Minds Konferenz statt, auf der sich Fach- und Führungskräfte zum Thema Big Data austauschen und von den Erfahrungen in ihren Unternehmen berichten. Digitalisierung jetzt! ist Medienpartner und so durfte ich im Vorfeld ein paar spezifische Fragen an die Experten beisteuern. 3 komplette Interviews mit interessanten Antworten werde ich zudem in den nächsten Wochen posten. Den Anfang macht Dr. Patrick Noll von der R+V Versicherung AG.

Noll arbeitet in der Konzern-Entwicklung der R+V Versicherung AG in Wiesbaden. Schwerpunkte seiner Tätigkeiten sind Projektleitungen im Rahmen des Digitalisierungsprogramms und die Leitung des unternehmensübergreifenden Arbeitskreises Big Data & Analytics. Zuvor verantwortete er die Themen Analytics und Big Data im Beratungshaus metafinanz GmbH in München, einem Unternehmen der Allianz Gruppe. Nach dem Studium der Wirtschaftsmathematik promovierte Dr. Patrick Noll an der Philipps-Universität Marburg im Fachgebiet Wirtschaftsinformatik.

Die R+V Versicherung ist einer der größten Versicherer Deutschlands für Privat- und Firmenkunden und gehört zur Genossenschaftlichen Finanz Gruppe Volksbanken Raiffeisenbanken. Das Mutterunternehmen des R+V Konzerns (R+V) ist die R+V Versicherung AG mit Sitz in Wiesbaden. Die Geschäftstätigkeit von R+V gliedert sich in drei Geschäftsbereiche, die der internen Steuerung und Überwachung unterliegen. Hierbei handelt es sich um das selbst abgeschlossene Schaden- und Unfallversicherungsgeschäft, das selbst abgeschlossene Lebens- und Krankenversicherungsgeschäft sowie das übernommene Rückversicherungsgeschäft..

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Bild: vege, Fotolia.com

1. Big Data? Big Confusion? Was verstehen Sie unter Big Data?

Big Data ist für mich ein Konzept, nutzenorientiertes Wissen aus Daten zu generieren. Das schließt unternehmensinterne und -externe Daten genauso ein, wie strukturierte und
unstrukturierte.

2. Was waren Ihre Beweggründe sich mit dem Thema Big Data zu beschäftigen?

Ich beschäftige mich schon lange mit dem Thema Datenanalyse als Grundlage für geschäftsrelevante Entscheidungen. Somit ist es eine logische Fortsetzung, sich nach Data Mining, Business Intelligence und Business Analytics auch mit Big Data zu beschäftigen.

3. Wie ist das Big Data-Projekt bei Ihnen im Unternehmen organisiert? Wer ist involviert und was sind die Ziele?

Wir beschäftigen uns aktuell mit potenziellen Anwendungsfällen. Dazu sind bei uns alle Fachbereiche und IT unternehmensübergreifend einbezogen.

4. Wie messen Sie den Erfolg von Big Data Projekten?

Big Data Projekte verfolgen nicht den Selbstzweck. In erster Linie ist es wichtig, die Erwartungen unserer Kunden zu erfüllen und vor allem Mehrwerte für unsere Kunden
zu erzielen. Ist das der Fall, dann war ein Big Data Projekt aus meiner Sicht erfolgreich.

5. Wie hoch ist die Akzeptanz, auch der älteren Kollegen, von Digitalisierungs-Projekten und Big Data-Strategien bei der R+V?

Unser gesamtes Digitalisierungsprogramm steht unter dem Motto der Kundenorientierung. Alle Maßnahmen sind konsequent vom Kunden aus gedacht und konzipiert. Die Notwendigkeit, dies in der heutigen Zeit zu tun, ist den meisten Kolleginnen und Kollegen bei uns im Unternehmen bewusst. Somit ist die Akzeptanz insgesamt recht hoch. Natürlich muss man Digitalisierung, wie alle anderen Change-Themen auch, eng kommunikativ begleiten, um breite Akzeptanz sicherzustellen

6. Welche Branchen sind aus Ihrer Sicht der Benchmark für das Handling von Big Data?

Ich möchte hier gerne unterscheiden in eine technische Sicht und eine ethische Sicht. Technisch sind ganz klar die Internetgiganten führend, die allein mit der Analyse und Verknüpfung von Daten groß geworden sind. Beispiele sind Google, Facebook, Amazon, Uber, Apple usw. Als Versicherungsunternehmen ist uns ein besonders hohes Maß an Vertrauen wichtig, dass uns unsere Kunden zu Recht entgegen bringen. Dieses Vertrauen nehmen wir auch beim Thema Digitalisierung und Big Data sehr ernst und werden es nicht aufs Spiel setzen. Der ethische Umgang mit Daten ist daher ganz entscheidend.

Wir werden uns bei Big Data Projekten nicht daran orientieren was technisch machbar und auswertbar ist, sondern ausschließlich an dem, was Mehrwert für unsere Kunden generiert
und mit unserem Selbstverständnis als Unternehmen vereinbar ist. Eine Benchmark für den ethischen Umgang mit Daten sehe ich aktuell (noch) nicht.

7. Wie bedeutend ist Big Data im Vergleich zu anderen Innovationen der letzten Jahrzehnte?

Big Data ist eine natürliche Weiterentwicklung der Datenanalyse, angepasst an die heutige Welt. So wie ich das bereits anfangs beschrieben habe. Es ist wichtig, sich damit auseinanderzusetzen, weil es in Zukunft „normal“ sein wird, Daten miteinander zu verknüpfen, sie zu analysieren und dadurch Mehrwerte zu generieren

8. Was denken Sie muss geschehen, damit das Thema Big Data im Hype Zyklus von Gartner im Plateu der Produktivität ankommt? [Info: Gartner Hype Cycle]

Big Data muss noch etwas mehr entmystifiziert werden. Big Data ist für viele immer noch ein mystisches Konzept. Wenn man es aber nüchtern betrachtet ist es eine moderne Art der Datenanalyse. Nicht mehr, aber auch nicht weniger.

9. Der Data Scientist W. Edwards Deming sagte einmal “Without data you´re just another person with an opinion”. Stimmen Sie ihm zu? Was ist Ihre Meinung?

Stimmt. Big Data hilft, objektivere Entscheidungen auf Basis von Daten zu treffen und sich nicht zu sehr auf das berühmte Bauchgefühl zu verlassen.

10. Welche 3 Tipps können Sie kleinen und mittelständischen Unternehmen für die Implementierung einer nachhaltigen Big Data Strategie geben?

Wichtig ist, klein anzufangen und nicht direkt mit einer groß angelegten Big Data Strategie starten zu wollen. Pragmatisches Vorgehen ist aus meiner Sicht angebracht: Ideen für Anwendungsfälle entwickeln, diese testen/pilotieren und die vielversprechenden Ideen anschließend umsetzen.

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Vielen Dank an we.CONECT Global Leaders GmbH für die Kooperation.

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