Big Data beobachten?

Auch diese Woche habe ich wieder sehr viele interessante Gespräche geführt, unter anderem zu meinem letzten Blog-Beitrag Mein Tag mit Big Data. Ich bin unheimlich dankbar für das Feedback meiner Leser und jede einzelne Diskussion. Ganz spannend finde ich natürlich, wenn mir jemand sagt „Ich schütze mich vor Datensammlern, ich habe ja nicht einmal WhatsApp oder Facebook.“ Meine Standard-Rückfragen: „Haben Sie einem Unternehmen schon einmal Ihre Kundendaten gegeben? Nutzen Sie hin und wieder freies WLAN in Coffee Shops?“ Das mag auf den ersten Blick recht böse klingen, aber was steckt dahinter?

Es wäre illusorisch zu denken, wir könnten die Zeit zurück drehen und unsere einmal preisgegebenen Daten zurückholen. Oder sie durch eine spezielle Technik Plattform-übergreifend schützen. Was wir aber machen können, ist, diese neue Situation annehmen und – ähnlich wie im Medienbereich – spezielle Kompetenzen entwickeln, um mit dieser recht neuen Situation klar zu kommen. Das heißt nicht, dass Sie auf der Stelle paranoid werden müssen! Ein erster Schritt ist die Beobachtung der eigenen Daten. Nehmen wir die Liste aus dem letzten Beitrag als Beispiel.

 

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Bild: cdt

 

Alle Datensätze, die direkt mit Abbuchungen von Ihrem Bankkonto verknüpft sind, können Sie über Ihre Kontoauszüge nachvollziehen. Diese sollten Sie sowieso regelmäßig kontrollieren. Ja, ich weiß, dass einige – vor allem Gutverdiener – nun sagen werden „Das lohnt sich nicht, in der Zeit, wo ich meine Kontoauszüge nachschaue, habe ich den möglichen Fehlbetrag schon wieder verdient.“ Wenn es Ihnen auch so geht: Glückwunsch! Aber abgesehen davon, dass sich ein vergleichsweise geringer Fehlbetrag von vielleicht 10 Euro über die Monate und Jahre ganz schön summiert, ist ein fehlerfreier Kontoauszug auch ein Zeichen dafür, dass niemand anderes Accounts missbraucht, die Sie direkt mit Ihrem Konto verknüpft haben. Die paar Minuten, die sie pro Monat für die Kontrolle aufbringen, dienen also auch Ihrer Datensicherheit!

Kontoauszug – enthält Spuren von…

  • Digitalen Abonnements/ SaaS-Lösungen
  • Online Shop Bestellungen
  • Paypal-Zahlungen, etc.

Ähnlich aufschlussreich sind Ihre Daten, die bei Bonitätsprüfungs-Gesellschaften wie Creditreform oder der Schufa hinterlegt sind. Bei beiden können Sie einmal im Jahr eine Datenübersicht nach §34 BDSG anfordern – kostenfrei. Auf der Seite der Schufa haben Sie zudem die Möglichkeit, einen kostenpflichtigen Login zu erhalten, um Ihre Daten regelmäßig zu kontrollieren. Warum das wichtig ist? Hinter jeder Anfrage und Meldung an diese Institute stecken Menschen. Menschen machen hin und wieder Fehler. Und Datenbanken geben nur wieder, was der Mensch eingibt. Werden also fehlerhafte Daten an die Bonitätsprüfer gemeldet, kann dieses weitreichende Folgen haben. Zum einen kann ihre Bonität sinken, ohne dass Sie es bemerken. Dies hat Auswirkungen auf neue Geschäftsbeziehungen – auch außerhalb von Banken. Zum anderen kann es zum Beispiel passieren, dass Sie keine Zahlungen per Smartphone-App mehr tätigen können, wenn Ihre Adresse falsch oder mehrfach und abweichend hinterlegt ist.

Bonitäts-Auskunft kontrollieren – Vorbeugung gegen…

  • Fehlerhafte Bewertung
  • Nachteile bei neuen Vertragsabschlüssen
  • Funktionseinschränkungen, z.B. bei Apps

Weiter können Sie Ihre jeweilige Bonitätsauskunft nutzen, um Datenverfolgung zu reduzieren, indem Sie die Firmen, mit denen Sie Geschäftsbeziehungen pflegen, durchgehen und daraufhin etwa Verbindungsnachweise bei Ihrem Festnetz- und Mobilfunk-Anbieter abbestellen. Auch sollten Sie die Daten bei allen Geschäftspartnern up to date halten, um Datenchaos zu vermeiden. Eine Geschäftsbeziehung ist beendet und Sie nutzen einen Account nicht mehr? Melden Sie sich nicht nur ab, sondern löschen Sie ihn!

Datenchaos reduzieren…

  • Verbindungsnachweise abbestellen
  • Daten updaten, z.B. nach einem Umzug
  • Ungenutzte Accounts löschen

Das gilt auch für Apps, die Sie nicht mehr nutzen. Womit wir bei unserem täglichen treuen Begleiter Nr. 1 angekommen wären: dem Smartphone. Wie bereits letzte Woche beschrieben, speichert es eine Vielzahl an intimen Daten und Fotos und ist gleichzeitig meist mit einer Cloud oder dem Laptop verknüpft. Sie sollten es also unter Beobachtung stellen. Eine Möglichkeit ist eine Sicherheits-App. Ich nutze zum Beispiel Lookout. Die Anwendung scannt regelmäßig alle Programme auf dem Telefon und warnt, wenn die Gefahr des ungewollten Datenzugriffs besteht (auch bei vielen Messenger-Apps). Zur Standard-Version gehört zudem eine Backup-Funktion und die Möglichkeit das Gerät zu orten. Premium-Nutzer können zusätzlich einen Diebstahl-Schutz aktivieren, bei dem das Telefon im Notfall ein Foto seiner Umgebung oder seines Diebs schickt sowie einen URL-Blocker für Phishing-Links und den App-Berater nutzen. Diese Funktion zeigt an, welche Apps auf Standort, Kontakte und Nachrichten zugreifen. Über die Auswertung können Sie die Einstellungen der einzelnen Apps dann anpassen.

Ist ihr Smartphone sicher, sollten Sie sich nun Ihren weiteren Geräten widmen – vor allem dem Laptop. Neben der üblichen Viren-Software gibt es hierfür ebenfalls spezielle Anti Spy-Programme und Add ons, die Tracker und Cookies sichtbar machen. Und Sie werden sich wundern, wie viele Sie täglich verfolgen! Eine Top 10 Liste solcher Programme finden Sie auf Chip.de. Zusätzlich gibt es die Möglichkeit des In Private Browsing, was weniger Spuren hinterlässt als die normale Variante. Die meisten aktuellen Browser verfügen über diese Funktion. Damit ist der normale Anwender schon einmal gut versorgt.

Beherzigen Sie dazu den Grundsatz, der für alle Geräte, Anwendungen und Accounts gilt: Immer ein sicheres Passwort wählen! Nein, „Passwort + Zahlenfolge“ ist keins. Am besten verwenden Sie keine Kombination, die ein Dritter auf egal welchem Weg herausfinden kann. Hochzeitstag? Steht auch auf der Urkunde und dem Ring. Geburtstag der Kinder? Kennt auch die Schule, der Tennisverein, soziale Netzwerke und sämtliche Bekannten.

Eine brauchbare Methode zur Passwort-Generierung ist zum Beispiel eine Kombination von Gegenständen, die nur Sie kennen und die in Ihrem Zuhause in einer bestimmten Reihenfolge angeordnet sind, sodass Sie sich diese gut einprägen können + eine Variation in der Groß- und Kleinschreibung + einer Zahlenkombination. Natürlich sollten Sie dieses Passwort dann aber auch nicht für alle Zugänge nutzen. Ich habe meine Zugangsdaten in ungefähr 3 Sicherheits-Kategorien eingeteilt und versuche die Passwörter möglichst unterschiedlich zu gestalten sowie häufig zu wechseln.

Geräte sichern!

  • Viren- und Anti Spy-Software
  • In Private Surfen und/ oder Cookie Tracker
  • Sichere Passwörter!!!

Neben diesen Tipps hilft nur noch eins: wachsam sein! Das angebotene kostenfreie WLAN kommt Ihnen komisch vor? Ihr Gerät funktioniert nicht einwandfrei? Suchen Sie nach einer anderen Lösung und lassen Sie hin und wieder einmal einen Virenscan durchlaufen. Achten Sie zudem darauf, was Sie anklicken, wo Sie Ihre persönlichen Daten eingeben und lesen Sie sich auch das Kleingedruckte einmal durch – egal ob im Online-Shop oder bei kostenfreien Angeboten! Zum weiterlesen: Das Liberal-Magazin der Friedrich Naumann Stiftung hat verschiedene Experten zum Thema Datenschutz befragt und gibt weitere Tipps.

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